38

Donald Trumps Schöne Neue Welt

NEW YORK – „Was wir lieben, wird uns ruinieren“, prophezeite Aldous Huxley 1932. In Schöne Neue Welt beschrieb er eine Menschheit im Jahr 2540, die sich aufgrund ihres Verlangens nach ständiger Unterhaltung, der Dominanz der Technologie und eines Überflusses an materiellen Gütern selbst zerstört. Mit der jüngsten Wahl Donald Trumps zum Präsidenten scheinen die Vereinigten Staaten Huxleys Vorhersage bereits über 500 Jahre früher zu verwirklichen.

Die öffentliche Kultur Amerikas schreckt schon seit langem vor intellektuellem Denken zurück. Oft wird für eine Art volkstümlichen Laissez-Faire-Egalitarismus geworben, der die Voraussetzung für uneingeschränkte Kreativität und den dadurch geförderten ungezügelten Kapitalismus ist. Alles, was man zum Aufstieg benötigen soll, sind Mut und Beharrlichkeit.

Für Länder wie die Sowjetunion, die stärkere Ähnlichkeit mit der Welt von George Orwells dystopischem Roman 1984 hatte, war dies einst ein attraktives Modell. An einem Ort, wo jegliche kulturelle Kreativität durch die Kontrolle der Regierung in den Untergrund verbannt wurde, wirkte der volkstümliche Geist und Ideenreichtum, der durch Amerika verkörpert schien, wie ein schöner Traum.

Aber in einer Welt wie derjenigen von Orwell baut sich letztlich politischer Druck auf, und wie in der Sowjetunion 1991 wird das System dann durch eine immer stärkere Dissidentenbewegung weggefegt. Werden die Menschen allerdings durch stumpfsinnige Unterhaltung und Haufen von Krempel abgelenkt, verlieren sie ihren Willen zum Widerstand. Früher oder später mangelt es ihnen so sehr an Wissen und Fähigkeiten, dass sie einem solchen Leben, sogar wenn sie dies wollen, keinen Widerstand mehr entgegensetzen können.