11

Die Einlösung der Wahlversprechen an die Mittelschicht

MAILAND – US-Präsident Donald Trump verdankt seinen Wahlsieg größtenteils älteren weißen Männern aus der Mittel- und Arbeiterschicht, die wenig von den Vorteilen der wirtschaftlichen Wachstumsmuster der letzten drei Jahrzehnte hatten. Dennoch bereitet seine Administration ein Wirtschaftsprogramm vor, das – obwohl in mancherlei Hinsicht durchaus positiv – die wirtschaftliche Situation seiner Kernwählerschaft nicht wie versprochen erleichtern wird. 

Trump verlieh einer Wählergruppe eine Stimme, die seit langem mit schwindenden Job-Aussichten oder sogar rückläufigen Realeinkommen konfrontiert war – Trends, die sich seit dem Jahr 2000 noch verschärft haben. Mit der sinkenden Zahl an Arbeitsplätzen für die Mittelschicht schrumpfte auch die Gruppe der mittleren Einkommensbezieher und so verschärfte sich auch das Problem der Einkommenspolarisierung. Dieses Phänomen ist in verschiedenen Ausprägungen zwar überall in der industrialisierten Welt zu beobachten, tritt aber in den Vereinigten Staaten und Großbritannien besonders eklatant in den Vordergrund.

Die wirtschaftlichen Herausforderungen für die Mittelschicht in den Industrieländern sind größtenteils auf zwei Faktoren zurückzuführen: nämlich auf den rapiden Verlust von Routinejobs im Arbeiter- und Angestelltenbereich aufgrund der Automatisierung sowie auf die Verlagerung von Arbeitsplätzen mittlerer und niedriger Wertschöpfung in Länder mit geringeren Arbeitskosten. Letzteres belastet das Lohn- und Einkommenswachstum nicht nur direkt im handelbaren Sektor, sondern, aufgrund der dort freigesetzten Arbeitskräfte, auch in den nichthandelbaren Dienstleistungssektoren.  

Das Ergebnis war ein Arbeitskräfteüberschuss in den mittleren und niedrigen Einkommensbereichen, der dem Arbeitskräfteüberschuss in Entwicklungsländern in den frühen Stadien wirtschaftlicher Entwicklung nicht unähnlich ist, wo das Einkommenswachstum aus diesem Grund (eine Zeit lang) auch bei expandierender Wirtschaft gebremst wird. Auch eine schwächere Verhandlungsposition der Arbeitnehmer sowie fallende reale Mindestlöhne haben möglicherweise zu dieser Einkommenspolarisierung beigetragen, obwohl es sich dabei wahrscheinlich um sekundäre Faktoren handelt.