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Das Dilemma der Trumpschen Revolution

PRINCETON – Der 100. Jahrestag der Russischen Revolution in diesem Jahr fällt mit der Trump-Revolution in den Vereinigten Staaten zusammen, die wiederum im Anschluss an die Brexit-Revolution im Vereinigten Königreich erfolgte. Die politischen Bewegungen hinter Trump und dem Brexit betrachten sich, so wie die Bolschewiki im Jahr 1917, als Vorhut eines internationalen Aufbegehrens – oder dessen, was der ehemalige Vorsitzende der UK Independence Party (UKIP), Nigel Farage, eine „große globale Revolution“ genannt hat.

Doch die Rebellen von heute sollten sich mit den Lehren der Geschichte befassen. Die Russische Revolution forderte einen gewaltigen Tribut an Menschenleben und verursachte große Not, und kaum ein zeitgenössischer Historiker glaubt, dass sie in irgendeiner Form einen konstruktiven Beitrag geleistet hätte. Und trotzdem war Lenin ein politischer Vordenker, der verstanden hat, dass ein unpopulärer, aber letztlich notwendiger Verwaltungsstaat oder eine Bürokratie ein Schwerpunkt revolutionärer Bewegungen sind.

Die neuen revolutionären Bewegungen lehnen sich, so wie der Bolschewismus, gegen das auf, was sie als unterdrückende und einengende internationale Ordnung betrachten. Für Lenin bestand diese Ordnung aus den westlichen Mächten, die Russland – entgegen seiner eigenen Interessen – in den Ersten Weltkrieg gegen Deutschland verwickelt hatten. Für Trump ist es der vage Begriff „Globalisierung“, der diese Ordnung verkörpert: „Wir werden von praktisch jedem Land auf dieser Welt ausgenutzt. Das wird aufhören.“

Dabei sind die unmittelbaren Feinde dieser Bewegungen eher im eigenen Land als im Ausland zu finden. Auf der Conservative Political Action Conference (CPAC), einem Treffen konservativer Aktivisten, verkündete Trumps Chefstratege Stephen Bannon unlängst eine Revolution für die amerikanische Souveränität, geprägt von wirtschaftlichem Nationalismus und vom „Rückbau des Verwaltungsstaates“.