Silvio Berlusconi Massimo Di Nonno | getty images

Trumps italienischer Prototyp

TOKIO – Dem Aufstieg von Milliardär Donald Trump im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf wird eine Mischung aus Faszination und Schrecken entgegengebracht. Während seine anfänglich verspottete Kampagne weiter Erfolge verbucht – zuletzt bei den Vorwahlen in Michigan, Mississippi und auf Hawaii – bemühen sich Beobachter eine historische Analogie oder eine Entsprechung im Ausland zu finden, mit der sich das Phänomen erklären lässt. Ein idealer Vergleich findet sich zwar nicht, aber ein passender: Silvio Berlusconi, der italienische Medienmogul, der drei Amtszeiten als Ministerpräsident seines Landes gedient hat. Sein Vorbild ist kein Grund zur Beruhigung.

Berlusconi und Trump weisen einige oberflächliche Parallelen auf, unter anderem mehrere Ehen und einen generell vulgären Stil. Doch die wichtigsten – und besorgniserregendsten – Gemeinsamkeiten sind die Fähigkeit, Substanz durch die Kunst des Verkaufens zu ersetzen, die Bereitschaft schamlose Lügen zu verbreiten, um öffentliche Aufmerksamkeit und Vorteile zu erlangen und der Wille, Kritiker durch Einschüchterung zum Schweigen zu bringen.

Berlusconis politischer Agenda, sogar seiner grundlegenden Ideologie, hat es immer an Beständigkeit gefehlt. Während seiner erfolgreichen Wahlkämpfe sagte er was immer nötig war, um Stimmen zu gewinnen; während seiner drei Amtszeiten nutzte er die gleiche Taktik, um Koalitionen zu bilden. Der einzige Punkt auf seiner Tagesordnung war der Schutz oder die Förderung seiner eigenen Geschäftsinteressen.

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