pisaniferry106_Mark WilsonGetty Images_phase one agreement trump china  Mark Wilson/Getty Images

Eine Erklärung für den Erfolg von Trumps wirtschaftspolitischer Leichtfertigkeit

PARIS – Seit seiner Wahl zum Präsidenten der USA hat Donald Trump fast alles getan, was die vorherrschende wirtschaftliche Meinung als Ketzerei ansieht. Er hat Handelsschranken errichtet und durch Drohungen mit weiteren Zöllen Unsicherheit heraufbeschworen. Er hat private Unternehmen erpresst. Er hat die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Banken gesenkt. Er hat die US Federal Reserve immer wieder attackiert, weil ihm ihre Geldpolitik nicht gefiel. Er hat das Haushaltsdefizit erhöht, obwohl im Lande bereits nahezu Vollbeschäftigung herrschte. Auf der Liste dessen, was man als Politiker vermeiden sollte, wird man bei Trump viel öfter fündig als bei jedem anderen US-Präsidenten der Nachkriegszeit.

Und doch setzt sich die längste Wachstumsphase in der aufgezeichneten Geschichte der USA fort. Die Inflation ist niedrig und stabil. Die Arbeitslosigkeit ist auf ihrem niedrigsten Stand seit 50 Jahren. Die Arbeitslosenquote für Afroamerikaner ist die niedrigste, die jemals erfasst wurde. Leute, die den Arbeitsmarkt verlassen hatten, kommen zurück und finden Arbeit. Und die Löhne am unteren Rand des Spektrums steigen inzwischen um 4% jährlich, deutlich schneller als der Durchschnitt. Auf dem wirtschaftlichen Wunschzettel eines Wählers erfüllt Trump mehr Kriterien als die meisten seiner Amtsvorgänger.

Die politische Frage, über die derzeit alle spekulieren, ist nun, ob diese wirtschaftliche Entwicklung Trump zu einer zweiten Amtszeit verhelfen wird. Doch die genauso wichtige (und damit verbundene) wirtschaftliche Frage ist, ob Regierungen weltweit daraus die Lehre ziehen werden, dass leichtfertige Initiativen einer analysegestützten Wirtschaftspolitik überlegen sind. Falls ja, wird das die Experten Hohn und Spott aussetzen und die internationalen wirtschaftspolitischen Institutionen den letzten Rest Glaubwürdigkeit kosten. Die unabhängigen Notenbanken könnten sich zu Kapellen eines vergessenen Kults entwickeln. Populisten jeder Erscheinungsform werden sich ermutigt fühlen.

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