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Wird wirtschaftliche Unwissenheit einen Handelskrieg auslösen?

NEW YORK – Fast einhundert Tage nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump verfolgen Trump selbst und sein Handelsminister Wilbur Ross weiterhin eine wirtschaftliche Torheit, die schon BWL-Studenten im ersten Semester zu vermeiden lernen. Sie behaupten, Amerikas gegenwärtiges Leistungsbilanzdefizit (oder Handelsdefizit), das tatsächlich auf der niedrigen und weiter sinkenden US-Sparquote beruht, sei ein Hinweis für unfaire Handelspraktiken durch Deutschland und China, die beide einen Leistungsbilanzüberschuss aufweisen. Ihre wirtschaftliche Ignoranz könnte in die Katastrophe führen.

Die Leistungsbilanz, die den Saldo des Handels mit Waren und Dienstleistungen, des Nettofaktoreinkommens und der Überweisungen aus dem Ausland misst, entspricht den nationalen Ersparnissen abzüglich der nationalen Investitionen. Das ist keine Theorie; beide sind identisch, sieht man einmal von statistischen Diskrepanzen zwischen dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) und dem Bruttonationaleinkommen (BNE) ab. Dies gilt unabhängig davon, ob Sie Liberaler oder Konservativer, Populist oder Anhänger einer etablierten Parteiströmung, Keynesianer oder ein Anhänger angebotsseitiger Politik sind. Selbst Trump und alle seine „Deals“ können das nicht ändern. Trotzdem droht Trump aufgrund von Defiziten, die Amerikas eigenes Ersparnis- und Investitionsungleichgewicht widerspiegeln, mit einem Handelskrieg.

Ein Land weist ein Leistungsbilanzdefizit auf, wenn die Investitionen die nationalen Ersparnisse übersteigen, und einen Leistungsbilanzüberschuss, wenn die Investitionen geringer sind als die nationalen Ersparnisse. Es kann bei einem Land mit ausgeglichener Leistungsbilanz zu einem Defizit kommen, wenn die Investitionsquote steigt, die Sparquote sinkt oder eine Kombination aus beidem eintritt.

Nehmen wir an, dass die USA mit anderen Ländern handelt, die eine protektionistische Politik verfolgen. Wenn diese Länder ihre Handelssysteme liberalisieren, werden sie tendenziell mehr US-Waren importieren, die mit ihren eigenen Branchen konkurrieren. Die Größe der mit den Importen konkurrierenden Sektoren wird dann abnehmen. Dies setzt Arbeitskräfte und Kapital frei, um die Produktionsleistung in den Exportsektoren zu steigern. Mit Zunahme der Exporte steigen auch die Deviseneinnahmen, die für die höheren Importausgaben bezahlen.