A boy from the Anapra area observes a binational prayer performed by a group of religious presbyters by migrants on the border wall HERIKA MARTINEZ/AFP/Getty Images

Trumps Kindergeiseln

WASHINGTON, DC – US-Präsident Donald Trump ist ja dafür bekannt, ohne viel Nachdenken und ohne große Planung zu handeln. Und so hat er nun seine Regierung mit der Anordnung überrascht, an der Südgrenze zu Mexiko Kinder von Einwanderern – die teilweise vor der Gewalt in Mittelamerika geflohen sind – bei ihrer Ankunft von ihren Eltern zu trennen. Und dann kam, was Trump sonst grundsätzlich vermeiden will: ein Rückzieher, der ihm noch mehr Probleme beschert hat.

Ob die USA tatsächlich unter einer „Einwanderungskrise“ leiden, ist stark umstritten. Aber Trump hat jetzt seine persönliche Krise: Alle außer seinen ergebensten Anhängern glauben jetzt, er sei zu weit gegangen. Berichte über Babys, die ihren Müttern aus den Armen gerissen wurden, eine Tonaufnahme von weinenden kleinen Kindern, und – von der Regierung veröffentlichte – Fotos mit älteren Jungen, die in Drahtkäfigen festgehalten werden: All dies ging der Öffentlichkeit dann doch zu weit. Und wie die kleinsten Kinder oder älteren Mädchen untergebracht sind, wurde noch nicht einmal dokumentiert.

Und so gerieten die normalerweise kraftlosen Kongressrepublikaner in Panik und teilten Trump und seinem Team mit, seine Politik des Auseinanderreißens von Familien könnte ihre Chancen bei den Zwischenwahlen im November ruinieren. Diese Entwicklung drohte sogar, einen Keil zwischen Trump und seine evangelikalen Anhänger zu treiben. Dabei war diese Wählergruppe sogar bereit gewesen, die zunehmenden Beweise für Trumps sexuelle Eskapaden während der Ehe mit der First Lady Melania zu ignorieren (darunter offensichtliche Zahlungen an eine Pornodarstellerin und andere, um sie zum Schweigen zu bringen). Immerhin konnten die Evangelikalen so ihren politischen Einfluss vergrößern, und auch die Ernennung sozialkonservativer Richter beim Obersten Gericht und in anderen Bereichen der Justiz war sicher in ihrem Sinne. Sogar die ehemalige Präsidentengattin Laura Bush sprach sich gegen die Politik aus, Kinder von ihren Müttern zu trennen, was sehr ungewöhnlich ist.

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