ALexei Nikolsky_Putin in the Kremlin Alexei Nikolsky/Getty Images

Das Kabinett der Angst

MOSKAU – Der designierte US-Präsident Donald Trump scheint entschlossen, einem vergessen geglaubten Hollywood-Genre neues Leben einzuhauchen: dem paranoiden Melodram. In dem vielleicht großartigsten Film dieser Gattung, Botschafter der Angst,geht es um ein kommunistisches Komplott, im Rahmen dessen man sich des gehirngewaschenen Sohnes einer führenden politisch rechts stehenden Familie bedient, damit dieser das politische System Amerikas umkrempelt. In Anbetracht der Vorliebe, die Trump und so viele seiner von ihm nominierten Kandidaten offenbar für den russischen Präsidenten Wladimir Putin hegen, könnte das wahre Leben die Kunst in diesem Bereich einholen – wenn nicht gar überholen.

Freilich ist die Anziehungskraft, die Putin auf Trump sowie den designierten Außenminister Rex Tillerson und den Nationalen Sicherheitsberater General Michael Flynn ausübt, nicht das Ergebnis einer Gehirnwäsche - es sei denn, man betrachtet die Liebe zu Geld (und zu den Menschen, die es umleiten können) als Form der Gehirnwäsche. Dennoch ist ein derartiges Faible für den Kreml dezidiert unamerikanisch – um ein Wort zu strapazieren, das stark an die Paranoia während des Kalten Krieges erinnert.

Man denke an den von Trump und seinen Getreuen an den Tag gelegten Spott gegenüber CIA-Berichten, wonach vom Kreml beauftragte Hacker in die Wahl vom letzten Monat eingegriffen hätten, um Trump zum Sieg zu verhelfen. In typischer Manier ließ Trump ein Trommelfeuer auf Twitter vom Stapel, in dem die CIA als Institution unter der Fuchtel seiner geschlagenen Gegnerin Hillary Clinton dargestellt wird. Der von ihm nominierte Kandidat für das Amt des stellvertretenden Außenministers, John Bolton, stellte in den Raum, das Hacking der Rechner des Democratic National Committee sowie von Clintons Wahlkampfleiter John Podesta wäre eine Operation unter „falscher Flagge” gewesen, um den unschuldigen Kreml zu verleumden.

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