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Amerika und die Welt im Umbruch

NEW YORK – In weniger als zwei Monaten wird der politische Machtwechsel in den USA vollzogen sein. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten wird ins Oval Office einziehen. Aus dem designierten Präsidenten Donald Trump wird Präsident Trump, und Präsident Barack Obama wird gemeinsam mit Jimmy Carter, George H.W. Bush, Bill Clinton und George W. Bush einer der lebenden ehemaligen Präsidenten des Landes sein.

Über Trumps voraussichtliche Außen- und Innenpolitik kursieren wilde Spekulationen, die aber, wenn überhaupt, kaum von Bedeutung sein dürften. Wahlkampf und Regierungsführung sind zwei Paar Schuhe, und es besteht kein Grund zu der Annahme, dass die Art und Weise wie Trump ersteren geführt hat, bestimmen wird wie er letztere angeht. Außerdem wissen wir noch nicht, wer seine wichtigsten Berater sein werden und wie (und wie gut) sie zusammenarbeiten werden.

All diesen Unwägbarkeiten zum Trotz, stehen manche Dinge schon fest. Zunächst einmal wird Trump auf seinem Schreibtisch im Oval Office zahlreiche internationale Herausforderungen vorfinden. Es gibt zwar kein einzelnes Problem, das mit dem Höhepunkt des Kalten Krieges vergleichbar wäre, doch die schiere Anzahl und Komplexität der schwierigen Fragen unserer Zeit ist beispiellos.

Ganz oben auf der Liste steht der Nahe Osten, eine Region, die sich in einer fortgeschrittenen Phase des Zerfalls befindet. Syrien, Irak, Jemen und Libyen sind allesamt in eine Mischung aus Bürgerkrieg und Stellvertreterkrieg involviert. Mit dem Atomabkommen mit dem Iran ist bestenfalls Umgang mit einem Aspekt der Macht in Iran gefunden worden und auch nur für eine begrenzte Zeit. Der sogenannte „Islamische Staat“ mag seine territoriale Dimension verlieren, doch er wird, neben anderen Gruppierungen, auf Jahre hinaus eine terroristische Bedrohung darstellen. Die Notlage von Millionen von Flüchtlingen ist nicht nur eine humanitäre Tragödie, sondern stellt zudem eine wirtschaftliche und strategische Belastung für Länder in der Region und in Europa dar.