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Wie wichtig ist Trump?

CAMBRIDGE – Die Vereinigten Staaten haben noch nie einen Präsidenten wie Donald Trump gehabt. Mit einer narzisstischen Persönlichkeit, einer kurzen Aufmerksamkeitsspanne und fehlender Erfahrung in zwischenstaatlichen Angelegenheiten, neigt er in der Außenpolitik zu Parolen und nicht zur Planung von Strategien. Manche Präsidenten, wie etwa Richard Nixon, wiesen ähnliche Unsicherheiten in ihrer Persönlichkeit auf und hatten gesellschaftliche Vorurteile, aber Nixon hatte eine strategische Sicht auf die Außenpolitik. Andere, wie etwa Lyndon Johnson, waren äußerst egoistisch, verfügten aber außerdem über großes politisches Geschick in der Zusammenarbeit mit dem Kongress und anderen politischen Entscheidungsträgern.

Werden künftige Historiker Trumps Präsidentschaft als vorübergehenden Irrweg oder wichtigen Wendepunkt in der Rolle Amerikas in der Welt betrachten? Journalisten neigen dazu, der Persönlichkeit von Regierungschefs zu viel Aufmerksamkeit zu widmen, weil sich damit Auflage machen lässt. Sozialwissenschaftler hingegen neigen dazu, breit angelegte strukturelle Theorien über Wirtschaftswachstum und die geografische Lage zu präsentieren, die den Gang der Geschichte unvermeidlich scheinen lassen.

Ich habe einmal ein Buch geschrieben, in dem ich versucht habe die Bedeutung amerikanischer Präsidenten anhand wichtiger Wendepunkte zu untersuchen, die vor hundert Jahren die „amerikanische Ära“ eingeläutet haben. Im Zuge dessen habe ich spekuliert, was wohl geschehen wäre, wenn der Gegenkandidat des Präsidenten an seiner Stelle gewesen wäre. Hätten strukturelle Kräfte eine ebensolche Ära des globalen Führungsanspruchs der USA unter anderen Präsidenten herbeigeführt?

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