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„Alternative Fakten” und die US-Wirtschaftspolitik

WASHINGTON, DC – US-Präsident Donald Trump hat offensichtlich ein Problem mit Daten, die er nicht mag, wie er an seinem ersten vollen Tag im Amt bewies, als er die Medien angriff, weil sie korrekt über die Größe der Menschenmenge berichteten, die seiner Amtseinführung beiwohnte. Es dürfte klar sein, dass genau dieses Vertrauen auf „alternative Fakten” im Bereich der Wirtschaftspolitik ein großes Risiko darstellt.

Die Anzahl der Menschen, die an der Amtseinführung teilnahmen – wesentlich geringer, als Trump glauben wollte – war aus den vorhandenen Beweisen leicht ersichtlich, dazu gehörten Fotos von der National Mall und die Anzahl der Passagiere der öffentlichen Verkehrsmittel. Aber die Diskussion ist jetzt in die ernstere Frage abgeglitten, ob Millionen von Menschen illegal gewählt haben, worauf Trump seit der Wahl besteht. Er hat indirekt zugegeben, dass er insgesamt fast drei Millionen Stimmen weniger erhalten hat, besteht aber weiterhin darauf, dass die Wahl massiv gefälscht wurde.

Trump fordert dazu eine umfassende Untersuchung, und die Demokraten sollten jede Gelegenheit willkommen heißen, die Beweislage gründlich von Experten prüfen zu lassen. Aber wir müssen das volle Ausmaß der Gefahr erkennen. Andere prominente Republikaner, einschließlich des Repräsentantenhauses, leben schon seit geraumer Zeit in ihrer eigenen Welt.

Das offensichtlichste Beispiel ist der Klimawandel. Wissenschaftler sind sich in ihrer überwältigenden Mehrheit einig, dass sich das Klima verändert – und dass menschliche Aktivitäten, zu welchen auch der Kohlendioxidausstoß zählt, dabei eine Rolle spielt. In jeder wissenschaftlichen oder anders gearteten Untersuchung gibt es einen gewissen Spielraum für Irrtümer oder angemessene Uneinigkeit. Aber die republikanische Strategie ist seit langem zu behaupten, das Klima ändere sich nicht oder wenn es sich doch ändere, habe das nichts mit den Menschen, ihren Autos, Fabriken und Kraftwerken zu tun.