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Der Handel und die Dritte Welt

Die Entscheidung der USA auf Stahlimporte Zölle einzuheben zeigt, dass Heuchelei und Handelsgespräche Hand in Hand gehen. Obwohl man davon ausgehen kann, dass die Welthandelsorganisation (WTO) diese Vorgehensweise der Vereinigten Staaten als illegal einstufen wird, bleiben die Entwicklungsländer dennoch misstrauisch. In der Vergangenheit argumentierten sie (allen voran Indien), dass die WTO ein Werkzeug der reichen Länder sei und widersetzten sich daher vielen von der WTO vorgebrachten Forderungen. Tatsächlich lehnte Indien im Vorfeld der im Vorjahr abgehaltenen WTO-Ministerkonferenz in Doha die Einleitung einer neuen Welthandelsrunde ebenso ab, wie eine weitergehende Handelsliberalisierung für industrielle Güter und den Einsatz von Handelssanktionen gegen Länder, die minimale Arbeitsnormen nicht einhalten.

Die Sichtweise, dass es sich bei der WTO im Großen und Ganzen um ein Werkzeug der mächtigen, industrialisierten Nationen handelt, ist weitgehend richtig. Falsch ist es jedoch, gegen alles zu sein, was von der WTO kommt. Es bedarf eines etwas differenzierteren Ansatzes gegenüber der WTO (und dem Norden im Allgemeinen).

Die WTO behauptet von sich, eine demokratische Organisation zu sein, in der jedes Land mit einer Stimme vertreten ist. Jeder Mensch, der die WTO jedoch einigermaßen kennt, weiß, dass sich reiche Länder nicht mit "lästigen" demokratischen Formalitäten aufhalten wollen und daher hinter den Kulissen intervenieren, um die Tagesordnung schon im Vorfeld zu fixieren.

Trotzdem ist die andauernde Opposition gegen die WTO selbstzerstörerisch. Am Beispiel des Konfliktes um die neuen Stahlimportzölle kann man sehen, wie lebensnotwendig ein zentraler Ombudsmann für Welthandelsfragen ist. Die Beseitigung der WTO käme dem Versuch gleich, eine moderne Gesellschaft ohne Gerichte zu schaffen. Obwohl Gerichte bekanntermaßen dazu tendieren, eher mit den Reichen und Mächtigen Nachsicht zu üben, ist es noch immer besser Gerichte zu haben, als sie nicht zu haben.