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Die Ideologie der nigerianischen Entführer

LONDON – Die Entführung von mehr als 240 nigerianischen Mädchen hat die Welt erschüttert. Doch leider ist so etwas in Nigeria kein Einzelfall. Tatsächlich leiden noch viele andere afrikanische Länder unter den Problemen Nigerias, und die der Entführung zugrundeliegenden Motive leiten sich aus einer globalen Ideologie ab.

Diese Ideologie beruht auf einer verzerrten, falschen Sicht der Religion, die in formellen wie informellen schulischen Kontexten weltweit gelehrt wird. Natürlich sind die abstoßenden, wirren Äußerungen des Anführers von Boko Haram – der Gruppe, die die Mädchen entführt hat – nur für den äußersten extremen Rand dieser Ideologie repräsentativ. Doch solange wir nicht den Boden, in dem diese Giftpflanze wurzelt, säubern, wird sie fortfahren, die Lebenschancen von Millionen junger Menschen weltweit zu zerstören – und unsere eigene Sicherheit zu bedrohen.

Überall in Schwarzafrika hat dieses Problem inzwischen enorme Ausmaße angenommen. Mali, Tschad, Niger, die Zentralafrikanische Republik, Somalia, Kenia und sogar Äthiopien leiden inzwischen unter der Verbreitung des Extremismus oder sehen sich diesbezüglich akuten Ängsten ausgesetzt. Viele andere Länder haben den Extremismus inzwischen als ihre wichtigste Herausforderung anerkannt.

Die Regierungen begegnen der Herausforderung häufig mit Mut und Entschlossenheit, und der Einsatz afrikanischer Truppen in vielen Ländern mit dem Ziel, den Frieden zu wahren, ist ein Beleg dieser Entschlossenheit. Doch Fakt ist, dass das Problem weiter zunimmt.