Irren ist Wissenschaft

Bisher wurden Entdeckungen oft als das Hauptziel der medizinischen Forschung aufgefasst. Doch heutzutage ist es beinah zu einfach, etwas zu entdecken Jeder, der ein bisschen Finanzierung und ein paar biologische Proben im Kühlschrank hat, kann Tausende von angeblichen „Entdeckungen“ machen.

In der Tat steigt die Anzahl der Forschungsfragen, die wir stellen können, exponentiell an. Mit einer daumennagelgroßen medizinischen Ausrüstung und einer winzigen Blutmenge kann man eine Million verschiedener biologischer Faktoren an einer Person messen. Eine Million Forschungsfragen können auf der Stelle gestellt werden. Doch selbst mit den richtigen statistischen Testmethoden können Zehntausende dieser biologischen Faktoren aus reinem Zufall wichtig erscheinen. Lediglich eine Handvoll von ihnen sind es tatsächlich. Die überwiegende Mehrheit dieser anfänglichen Behauptungen der Forschung würde nur falsche Ergebnisse liefern.

Daher ist das Hauptproblem heute, „Entdeckungen“ zu bestätigen, indem man sie unter anderen Gegebenheiten wiederholt. Mehrere unterschiedliche Forschungsteams müssen beobachten können, wie sie immer wieder unter Verwendung allgemeiner Regeln „funktionieren“. Darüber hinaus sollten sich alle Teams darüber einig sein, dass sie nicht nur die Daten sammeln und berichten, die am beeindruckendsten erscheinen. Mit selektiver Berichterstattung hätten wir am Ende eine lange Liste sämtlicher falscher Entdeckungen, die in den Forschungsteams gemacht wurden, und nur einige wenige wahre Ergebnisse lägen unter diesem Haufen nicht wiederholten Mülls begraben.

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