0

Zeit, die Regierung zu zügeln

PALO ALTO – Die aktuelle Finanzkrise ist eine einzigartige Auslegung von Lenins Aussage, nichts destabilisiere ein Land so sehr wie ein Run auf seine Währung. In der EU destabilisiert heute nichts so sehr die Währungsunion wie eine Flucht vor den Staatsschulden eines ihrer Mitglieder.

Der Wirbel um die griechische Schuldenkrise und die Sorgen um ähnliche Probleme in Irland, Portugal, Spanien und Italien haben die Ängste um die Stabilität der europäischen Banken, des globalen Finanzsystems, der Eurozone und der globalen Wirtschaft geschürt. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat diesen Befürchtungen jüngst öffentlich Ausdruck verliehen und noch die Sorge um die Überlebensfähigkeit des Euro hinzugefügt.

Das 750-Euro-Rettungspaket (fast 1 Billion US-Dollar) der EU, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds hat den internationalen Märkten nur eine kurze Verschnaufpause beschert, die jetzt einer etwas nüchterneren Analyse der Krise und der Effizienz der Reaktion gewichen ist.

Das Rettungspaket ist keine Lösung für die grundsätzlichen Probleme, denen sich die Eurozone stellen muss. Im besten Fall kann man Zeit gewinnen, um die unvermeidlichen Korrekturen langfristig anzugehen und auf viele Menschen zu verteilen. Und natürlich birgt es die Gefahr des subjektiven Risikos und des Verlustes von Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank.