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Herrschen in Zukunft die Programmierer?

NEU DELHI – Marc Andreessen verdiente sein Vermögen mit der Entwicklung eines Programms, das als Internet-Browser Netscape Navigator bekannt wurde. Mittlerweile ist er als Risikokapitalgeber tätig und predigt über die wachsende Bedeutung von Software im Wirtschaftsleben von heute. Tatsächlich behauptet er, dass Software die Welt übernehmen und die primäre Quelle der Wertschöpfung bilden werde. Überdies prognostiziert er eine Spaltung der Weltwirtschaft: auf der einen Seite Menschen, die dem Computer sagen, was zu tun ist und auf der anderen diejenigen, die vom Computer gesagt bekommen, was zu tun ist.

Andreessens Ziel ist, seine Zuhörerschaft zu schockieren – nicht nur aus Effekthascherei, sondern um sie zu bewegen, etwas zu unternehmen. Um eine Teilung der Welt in ein paar Alpha-Programmierer und viele Arbeitsbienen zu verhindern, möchte er, dass die potenziellen Arbeitsbienen keine einfachen Studien auf geisteswissenschaftlichen Fakultäten mehr aufnehmen. Stattdessen sollten sie sich auf Lehrgänge in den Bereichen Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik (STEM) konzentrieren, wo die guten Jobs zu finden sein werden. Aber wird damit das von ihm benannte Problem gelöst?

Wahrscheinlich nicht. Zwei Merkmale der Software-Produktion ermöglichen es nämlich ein paar talentierten Programmierern, den Markt zu erobern und alle damit verbundenen Gewinne einzustreifen. Erstens tendiert etwas bessere Software dazu, einen erheblich größeren Marktanteil zu erlangen. Zweitens ist der verfügbare Markt global, weil es so billig ist, eine zusätzliche Kopie anzufertigen und sie an irgendeinen Ort auf der Welt zu verschicken. Aus diesem Grund sichern sich diejenigen den globalen Markt, die kreativ und kompetent genug sind, das Programm für diese etwas bessere Suchmaschine zu schreiben.

In diesem Alles-oder-nichts-Umfeld wird nur eine geringe Zahl der Informatik-Absolventen die Masse an Renditen einfahren. Der Abschluss der richtigen Studiengänge ist keine Garantie dafür, einen Teil des Software-Jackpots abzubekommen. Unterschiede im Hinblick auf Glück und Talent unter gleichwertig Ausgebildeten sorgen dafür, dass die Qualität der Produkte von Software-Firmen auf einer Gauß’schen Normalverteilung liegen, wobei es nur ein paar wenige Googles und Facebooks, aber dafür viel mehr gelangweilte, schlecht bezahlte Computertechniker gibt, die dem verwirrten Durchschnitts-Anwender helfen, mit Schadsoftware umzugehen.