0

Die Proteste von Washington

CAMBRIDGE: Wir begeben uns gerade in die dritte Runde der Strassenproteste gegen die Globalisierung. London und Seattle waren die ersten Städte, die es betraf. Nun versammeln sich die Demonstranten gegen den Internationalen Währungsfond (IMF) und gegen die Weltbank in Washington. Tausende werden für Angelegenheiten der Menschenrechte, der Rechte von Frauen, Schwulen und Arbeitern, für ökologische Rechte, Anti-Kriegsrechte, tibetische Rechte und noch einer ganzen Reihe anderer Dinge demonstrieren. Ein kurzer Blick auf die Homepage der Demonstranten „a16.org“ gibt einen vollen Einblick in das Menu der Ärgernisse, das die Demonstranten anprangern wollen.

Was hieran so aussergewöhnlich ist, sind weniger die Proteste als solche, als die einfache Fähigkeit, so viele verschiedene Gruppen zu einem Giganten einer schreienden „gegen-alles-was-falsch-ist-in-der-Welt“-Stimmung zu versammeln und zu mobilisieren. Aber sollten wir diese Schreie ernst nehmen? Worin liegt hier eine Botschaft? Sind diese Proteste repräsentativ für eine weitverbreitete Ablehnung der Art und Weise, in der die Weltwirtschaft momentan funktioniert? Oder kennzeichnet das Geschrei und die Wut nichts als eine gutorganisierte Mobilisierung der Besitzlosen, die ihre Unterstützung nicht auf demokratischem Wege erlangen können?

Die Demonstrationen in Washington werden ganz sicher weltweite Aufmerksamkeit auf sich ziehen, vergleichbar mit dem Erfolg der besten Show der Stadt. Aber wir sollten uns bei dem Versuch, die Weltwirtschaft zu managen, nicht von einer klar fundierten wirtschaftlichen Annäherung abbringen lassen. Der bedeutendste Grund, warum wir dieses Geschrei ignorieren sollten, liegt darin, dass die organisierende Hauptkraft der Demonstrationen die organisierte Arbeiterschaft Amerikas ist – hinter Vorhängen, aber nicht wirklich versteckt. Diese Bewegung hat allerdings grosse Probleme mit dem freien Handel (z.B. mit der Nafta, mit dem Handel mit China, mit der Welthandelsorganisation) - ja in der Tat mit allem, was wie ein globaler freier Markt aussieht.

Wenn Gewerkschaftschefs plötzlich die Rolle von Internationalisten spielen, sollte man ihnen nicht eine Minute glauben. Alles, was sie wollen, ist die Erhöhung der Arbeitsstandards ausserhalb der eigenen Länder, so dass die Arbeiter in den armen Ländern überbezahlt werden und ihre Jobs verlieren. Die Politiker der armen Länder haben schon lange verstanden, dass die Befürworter des „fairen Handels“ in den Vereinigten Staaten, die Gewerkschaften und die Umweltschützer ihre hauptsächlichen Feinde sind.