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Verschwindet die schwedische Ausnahme?

Während der vergangenen zwei Jahre gab es bei den Wählern im Westen Europas eine Rechtswende. In Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Norwegen und Portugal verstärkte sich dieser Trend wegen der Sorge um die Einwanderung, anhaltende Arbeitslosigkeit, hohe Steuern und die schlechter werdenden öffentlichen Leistungen. Doch wie die jüngsten Parlamentswahlen in Europa zeigen, bleiben Schwedens Sozialdemokraten - die 61 der vergangenen 70 Jahre an der Macht waren - relativ gefeit gegen ernsthafte Herausforderungen von Rechts.

Erst vor einigen Monaten erhielten die Sozialdemokraten in Meinungsumfragen 44% der öffentlichen Unterstützung. Zusammen mit den ehemaligen Kommunisten und den Grünen konnte die Linke einen sicheren Vorsprung von 12-15% vor den vier nicht-sozialistischen Parteien halten. Dieser Spielraum ist während des Wahlkampfs dramatisch geschrumpft und die Linke konnte nur mit Ach und Krach an der Macht bleiben, der Vorsprung konnte letztendlich jedoch nicht aufgeholt werden.

Warum hat sich Schweden gegen die rechte Flutwelle behauptet, die viele Teile Westeuropas überzogen hat? Der unmittelbare Grund für die dauerhafte Anziehungskraft der Sozialdemokraten ist die Außenpolitik. Anfang 2001 hielt Schweden die EU-Ratspräsidentschaft und bot Ministerpräsident Göran Persson, dem dominierenden Politiker des Landes, einen Platz im Rampenlicht, an dem er glänzen konnte. Die Sozialdemokraten profitierten auch von der Unterstützung, die sie den USA nach den Terroranschlägen des 11. September gewährten - eine günstige Position, mittels derer der nicht-sozialistischen Opposition der Wind aus den Segeln genommen wurde.

Persson strahlt Kompetenz und Autorität aus. Er hat sein Image nach den gewonnenen Wahlen im Jahr 1994 durch Sparmaßnahmen bei den Staatsfinanzen und den Ausgleich eines enormem Fehlbetrags im Staatshaushalt erheblich aufpoliert. Seit seinem erneuten Wahlsieg im Jahr 1998 hat er jedoch nichts Bemerkenswertes mehr vorzuweisen. Die schwedische Wirtschaft stieg und fiel mit der IT-Blase, was sich in den aktuellen Schwierigkeiten des Telekom-Giganten Ericsson wiederspiegelt. Perssons wichtigste Vorteile bei seinem diesjährigen Einzug in den Wahlkampf waren die Tatsache, dass er für einen Wettbewerb im Präsidentschaftsstil aufgrund seiner persönlichen Anziehungskraft gut ausgestattet und nicht durch neue Versprechungen belastet war.