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Die verschwindende Bombe

WARSCHAU – Die Übereinkunft zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten, die Abrüstung strategischer Waffen wiederaufzunehmen, hat die Hoffnung auf eine globale Abschaffung der Atomwaffen wiederaufleben lassen. Die Dringlichkeit kann kaum überbetont werden: Atomwaffen können in die Hände von Staaten fallen, die sie einsetzen könnten, und ebenso in die staatenloser Terroristen – was neue Bedrohungen von unvorstellbarem Ausmaß schaffen würde.

War sie noch vor einigen Jahren nur ein edler Traum, ist die Abschaffung von Atomwaffen nun nicht mehr nur die Idee von Populisten und Pazifisten. Sie wurde von Profis aufgegriffen – Politikern, die für ihren Realitätssinn bekannt sind, und von Wissenschaftlern, die für ihr Verantwortungsbewusstsein bekannt sind.

Die Erfindung von Atomwaffen – die während des Kalten Kriegs, als die Welt in zwei gegnerische Blocks aufgeteilt war, dem Ziel der Abschreckung diente – war eine Reaktion auf die Bedürfnisse und Risiken der Zeit. Sicherheit beruhte auf einem Gleichgewicht der Angst, was sich in dem Konzept der Gegenseitig zugesicherten Vernichtung niederschlug.

In jener bipolaren Welt besaßen lediglich fünf Weltmächte Atomwaffen, die alle ständige Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates waren. Heute bietet sich ein anderes globales Bild. Befeuert von der polnischen Solidarność-Bewegung, löste sich der Warschauer Pakt auf, die Sowjetunion zerfiel, und die bipolare Welt und ihre Ost-West-Teilung verschwanden.