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Die Zivilisierung der Stadt

BANGALORE – Die Hälfte der Menschheit – 3,5 Milliarden Menschen – lebt heute in Städten. Unsere Metropolen sind die Wachstumsmaschinen einer globalen Weltwirtschaft, die sich aus dem Schatten der Finanzkrise erhebt. Bangalore, meine Heimatstadt, steht – mit Unternehmen wie Infosys und Wipro – an der vordersten Front des wirtschaftlichen Wandels Indiens. Laut Forbes Magazine ist sie eine der am schnellsten wachsenden Städte des nächsten Jahrzehnts, und die Investitionen fließen in Strömen.

Die Sorgen der Bürger Bangalores, die bald auf bundesstaatlicher Ebene zu den Wahlurnen schreiten, sind allerdings nicht nur wirtschaftlicher Natur. Die finanziellen Erfolgsgeschichten der Stadt verdecken eine dunklere Wirklichkeit – die Lebensqualität vieler Stadtbewohner hat in den letzten Jahren abgenommen.

Die Wanderschaft armer Landbewohner in die großen Städte ist eines der Hauptthemen der modernen Zeit. Und die Regierungen, die sich meist an groben Meßzahlen für wirtschaftlichen Erfolg orientieren, fördern die schnelle Urbanisierung.

In China beispielsweise hatte die Lockerung der Migrationsbestimmungen in den 1980ern und die Öffnung der Wirtschaft ein spektakuläres Wachstum der östlichen Städte des Landes zur Folge. Über 50% der Chinesen leben heute in Stadtgebieten, eine Steigerung von 25% seit 1990, und der Anteil wird bis 2035 vermutlich auf 70% steigen.