Paul Lachine

Das japanische Experiment

NEWPORT BEACH – Nach Jahren kleinerer Anpassungen hat Japan nun einen bedeutenden politischen Paradigmenwechsel eingeleitet. Die Reaktionen darauf reichen von großem Optimismus, dass das Land nun endlich seine 25 Jahre dauernde wirtschaftliche Stagnation hinter sich lassen könnte bis hin zur Sorge, wonach der dramatische Kurswechsel die Situation womöglich noch verschlimmert. Doch während sich die Debatte natürlich auf die wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Manöver Japans konzentriert, könnte der Erfolg der Maßnahmen durchaus von anderen Ländern abhängen.

Premierminister Shinzo Abes neue Regierung hat einen (weniger evolutionären als vielmehr) revolutionären Ansatz gewählt, der mehrere Initiativen umfasst, von denen manche einst als unplausibel, undenkbar oder gar als unerwünscht galten. Mit der Verdoppelung der Geldmenge, zusätzlichen haushaltspolitischen Konjunkturimpulsen sowie weitreichenden Strukturreformen ist das neue politische Paradigma nicht weniger als eines der kühnsten wirtschaftspolitischen Experimente in der japanischen Nachkriegsgeschichte.

Um ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, legten die offiziellen Vertreter Japans rasch ein Bekenntnis zu messbaren Kennzahlen ab. Auf der Seite der politischen Vorgaben hat man den Ankauf von Wertpapieren im Gesamtausmaß von 75 Milliarden Dollar jährlich beschlossen (das ist relativ betrachtet drei Mal so viel wie die US-Notenbank Federal Reserve gegenwärtig im Rahmen ihres unkonventionellen geldpolitischen Regimes ankauft) und bereits mit der Umsetzung begonnen. Auswirkungsseitig zielt Japan nach vielen Jahren hartnäckiger Deflation (letzten Monat fielen die Preise um 0,5 Prozent) in den nächsten zwei Jahren auf eine Inflationsrate von 2 Prozent ab, wodurch man bekräftigt, eine vorzeitige Rücknahme der geldpolitischen Wachstumsmaßnahmen verhindern zu wollen.    

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