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Die UN im Krieg gegen die Wissenschaft

UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte kürzlich, dass sich die weltweite Verfolgung wissenschaftlicher Aktivitäten durch Ungleichheit auszeichnet. Mit der Bemerkung, dass Entwicklungsländer weit weniger in wissenschaftliche Forschung investieren und weniger Wissenschaftler hervorbringen, warnte Annan, dass das resultierende Ungleichgewicht bei der geografischen Verteilung wissenschaftlicher Aktivität sowohl für die Wissenschaftsgemeinde in Entwicklungsländern als auch für die Entwicklung an sich Probleme erzeugt. Er drängte Wissenschaftler und wissenschaftliche Institutionen überall auf der Welt, diese Ungleichheit zu beseitigen und alle am Nutzen der Wissenschaft teilhaben zu lassen.

Wie humanitär. Wie aufgeklärt. Wie scheinheilig.

Aleppo

A World Besieged

From Aleppo and North Korea to the European Commission and the Federal Reserve, the global order’s fracture points continue to deepen. Nina Khrushcheva, Stephen Roach, Nasser Saidi, and others assess the most important risks.

Die UN sollen doch das Kontrollgremium für die Menschenrechte sein, von denen das grundlegende das Recht auf Nahrung ist. Menschenrechte werden meistens verletzt, weil Menschen in verzweifelter Armut leben. Ein Faktor, der zu dieser Armut beiträgt, ist das Unvermögen der Menschen sich wirksam zu ernähren. Es sollte das Leitziel der UN sein, alle in die Lage zu versetzen, die Nahrungsmittelproduktion eigenständig abzudecken. Stattdessen hält das Eigeninteresse der UN-Behörden Arme davon ab, ihr Leben zum Besseren zu wandeln - und sogar zu überleben.

Die UN opfern Wissenschaft und Technologie rücksichtslos ihrem bürokratischen Eigeninteresse und schaffen so wesentliche Hürden für Innovationen, die den Ärmsten der Armen helfen können. Insbesondere die Beteiligung der UN an der übermäßigen, unwissenschaftlichen Regulierung der Biotechnologie, oder genetischen Veränderung (GV), wird landwirtschaftliche Forschung und Entwicklung verlangsamen, Umweltschäden fördern und dazu beitragen, Hungersnöte und Wassermangel über Millionen von Menschen in den Entwicklungsländern zu bringen.

Generalsekretär Annan hat erneut bewiesen (als hätten wir noch mehr Beweise gebraucht), dass Reden nichts kostet. Während der vergangenen zehn Jahre verhandelten Delegierte der von den UN gesponserten Konvention über biologische Vielfalt ein "Protokoll über die biologische Sicherheit", um die internationale Ein- und Ausfuhr von GV-Organismen zu regeln. Es basiert auf dem trügerischen "Vorsorgeprinzip", in dem vorgeschrieben ist, dass für jede neue Technologie einschließlich, im Falle von GV, Verbesserungen weniger präziser Technologien der lückenlose Beweis der Ungefährlichkeit erbracht werden muss, bevor sie angewendet werden kann.

Vorbeugung ist sicherlich wünschenswert, weil aber nichts als absolut sicher bewiesen werden kann jedenfalls nicht gemessen am Standard vieler Regulierer hat sich das Vorsorgeprinzip zu einem selbstzerstörerischen Stolperstein für die Entwicklung neuer Produkte entwickelt. Vorsorgliche Regulierung verlagert die Beweislast vom Regulierer, der früher nachweisen musste, dass eine neue Technologie wahrscheinlich Schaden verursachen würde, auf den Innovator, der nunmehr nachweisen muss, dass die Technologie dies nicht tun wird.

Diese Verlagerung ist verhängnisvoll, weil sie den Aufsichtsbehörden die Freiheit gibt, jegliche Art und Menge an Tests zu verlangen, die sie wünschen. Anstatt einheitliche, vorhersehbare und wissenschaftlich stichhaltige Rahmenbedingungen für den wirksamen Umgang mit begründeten Risiken aufzustellen, entsteht durch das Protokoll über die biologische Sicherheit ein undefiniertes globales Genehmigungsverfahren, das es übermäßig risikoscheuen, inkompetenten oder korrupten Regulierern ermöglicht, sich bei der Verzögerung oder beim Aufschieben ihrer Zulassung hinter dem Vorsorgeprinzip zu verstecken. Zu den Beispielen zählen ein fünfjähriges Moratorium bei der Zulassung von GV-Pflanzen in ganz Europa und die Ablehnung von dringend notwendigen Nahrungsmittelhilfen durch mehrere afrikanische Länder nur weil diese die gleichen GV-Getreidesorten enthalten, die tagtäglich in Nordamerika verzehrt werden. Ebenso hat eine Arbeitsgruppe der 165 Mitglieder zählenden Codex-Alimentarius-Kommission, dem Programm für gemeinsame Nahrungsmittelstandards der UN-Weltgesundheitsorganisation und ihrer Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, allein genetisch veränderte Nahrungsprodukte herausgegriffen, um diese drakonischen und sogar absonderlichen Regulierungsverfahren und -vorschriften zu unterwerfen.

Die Europäer wollen GV-Produkte stoppen, weil die Technologie in amerikanischen Labors entwickelt und von US-Unternehmen vermarktet wurde, die mit amerikanischem Kapital finanziert wurden. Sie werden von radikalen, regierungsunabhängigen Umweltorganisationen (NROs) unterstützt, die an Codex-Treffen teilnehmen dürfen und neue Technologien ideologisch ablehnen.

Im Juli stimmte die gesamte Codex-Mitgliedschaft verschiedenen Verfahren und Auflagen zu, die eher potenziell gefährlichen, verschreibungspflichtigen Arzneimitteln oder Pestiziden angemessen wären als GV-Tomaten, Kartoffeln und Erdbeeren. Hierzu zählen die langfristige Überwachung nachteiliger gesundheitlicher Auswirkungen und Unmengen von Tests zur genetischen Stabilität, Giften, Allergenität und vielem mehr.

Dieses Regulierungsregime wird weniger entwickelten Ländern genau die Art von Technologie verweigern, die sie brauchen. Übermäßig belastende Codex-Standards für GV- Nahrungsmittel sind nicht nur wegen ihrer direkten Folgen für die Forschung und Entwicklung verhängnisvoll, sondern auch weil sich die Mitglieder der Welthandelsorganisation, im Prinzip, nach ihnen richten müssen. Diese Standards werden unfairen Handelspraktiken Schutz bieten.

Jean Halloran von den Biotech-Gegnern des Weltverbandes der Verbraucherorganisationen Consumers International charakterisierte die Codex-Standards als rechtlichen Schutz vor Anfechtungen der Welthandelsorganisation von Ländern, die sich willkürlich in den Handel mit Biotech-Nahrungsmitteln einmischen. "Wenn es einen Codex-Standard gibt", so Jean Halloran, "kann ein Land ein anderes Land, das dem Codex-Standard folgt, nicht [für unfaire Handelspraktiken] anfechten. Wenn es den Codex-Standard nicht gibt, können sich die Länder wegen allem Möglichen anfechten."

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Leider hat Jean Halloran Recht. Doch die unwissenschaftlichen Standards und Regulierungen, die sie im Namen der Weltbevölkerung verteidigt, fügen der Umwelt und der öffentlichen Gesundheit tatsächlich Schaden zu, indem sie die Entwicklung umweltfreundlicher Innovationen behindern, die die landwirtschaftliche Produktivität steigern können, bei der Reinigung von Giftmüll helfen, Wasser sparen und landwirtschaftliche Chemikalien ersetzen können. Die UN-Experten warnen selbst, dass die wachsende Weltbevölkerung und ihr Bedarf an immer mehr Land für die Nahrungsmittelproduktion die größte Bedrohung für die Umwelt unseres Planeten darstellt.

Wissenschaftler weltweit sind sich einig, dass genetische Veränderung lediglich eine Verfeinerung oder Verbesserung gegenüber weniger präzisen und berechenbaren genetischen Techniken ist, die seit Jahrhundert verwendet werden. Diese außerordentliche neue Methode Pflanzen zu entwickeln, die höhere Erträge erzielen und innovative Eigenschaften besitzen, wird jedoch durch entmutigende, unnötige Regulierungen blockiert. Moralisch gesehen gibt es keinen Unterschied dazu, die Erlaubnis zum Bau eines unsicheren Damms zu erteilen oder wissentlich einen verunreinigten Impfstoff zu verabreichen. Zahllose Menschen werden als Reaktion auf die willkürlichen, unwissenschaftlichen Einschränkungen, die unserer Fähigkeit ihnen und uns zu helfen auferlegt werden, sinnlos leiden und sterben. Die UN und ihr Generalsekretär sollten für diese Menschenrechtskatastrophe verantwortlich gemacht werden.