Die beiden Gemeinschaften Europas

Europa befindet sich an einem paradoxen Wendepunkt. Obwohl die Harmonisierung von Gesetzen und Verfassung die Integration immer weiter vertieft, haben die europäischen Institutionen doch nicht hervorgebracht, was jede politische Gemeinschaft braucht, um zu überleben und zu gedeihen: ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Solange sich daran nichts ändert, kann die Integration nicht wirklich gelingen. Wenn die Europäische Union also nationale Engstirnigkeit überwinden und einem gemeinsamen, alle verpflichtenden Zweck dienen soll, muss sie den Jargon der Bürokratie ablegen und in einer Sprache sprechen, die Gut und Böse kennt, Schön und Hässlich, Richtig und Falsch.

So etwas geschieht nicht über Nacht. Werte und Bindungen innerhalb einer Gemeinschaft entstehen aus einer langen Erfahrung heraus, begleitet von einem mythologischen und historischen Verständnis, das dieser Erfahrung den Anschein gibt, organisch gewachsen zu sein. Die Geschichte der EU-Integration hat nichts Vergleichbares zu bieten, ihr Ursprung liegt vielmehr in den Entscheidungen einiger Einflussreicher. Es fällt also schwer, hier einen Weg zu sehen, der zu der kollektiven und individuellen Identität führen kann, die eine europäische Vereinigung erfordern würde.

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