Ärger mit Polen

„Wir fordern nur das eine, dass wir das zurückbekommen, was uns genommen wurde ... Hätte Polen die Jahre 1939 bis 1945 nicht erleiden müssen, wäre es ein Land mit 66 Millionen Einwohnern.“ So sprach der polnische Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski am Abend des letzten EU-Gipfels, als er versuchte, ein stärkeres Stimmgewicht für sein Land innerhalb der Europäischen Union zu erlangen, indem er die Erinnerung an Hitlers Krieg gegen Polen heraufbeschwor.

Kaczynskis Worte stehen jedoch im Widerspruch zu dem, was am 14. Juli dieses Jahres in Paris geschah. Am Tag der Bastille marschierte ein kleines polnisches Kontingent mit Streitkräften aus 26 anderen nationalen EU-Kontingenten, darunter auch die Deutschen, die Champs Elysée hinunter und demonstrierte die europäische Einheit.

Dieser Gegensatz fasst das verwirrte Polen von heute perfekt zusammen – ein Land, das unter den EU-Mitgliedsländern eines der höchsten Niveaus an EU-Akzeptanz in der Bevölkerung aufweisen kann und in dem dennoch die Verteidigung der „nationalen“ Interessen am schärfsten betrieben wird. Das heutige Polen ist nicht mehr „Gottes Spielplatz“, um den berühmten Ausdruck von Norman Davies zu zitieren. Stattdessen wirkt es eher wie ein Kinderspielplatz: eine eigenartige Mischung aus Minderwertigkeits- und Superioritätskomplexen. Das Problem ist, dass Polens ungerechtfertigter Mangel an Selbstbewusstsein zu einer äußerst unangenehmen Form der Intoleranz anderen gegenüber führt.

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