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Die tragischen Kosten der Unwissenschaftlichkeit

PRINCETON – Während seiner gesamten Amtszeit als südafrikanischer Präsident lehnte Thabo Mbeki den wissenschaftlichen Konsens ab, dass AIDS durch ein Virus, HIV, verursacht wird und dass antiretrovirale Medikamente den Menschen, die positiv darauf getestet werden, das Leben retten können. Stattdessen unterstützte er die Ansichten einer kleinen Gruppe andersdenkender Wissenschaftler, die andere Ursachen für AIDS anführte.

Mbeki hielt hartnäckig an dieser Position fest, auch als die Beweise dagegen übermächtig wurden. Wenn irgendjemand – selbst Nelson Mandela, der heldenhafte Widerstandskämpfer gegen die Apartheid, der Südafrikas erster schwarzer Präsident wurde – Mbekis Ansichten öffentlich anzweifelte, stellten ihn Mbekis Unterstützer boshaft an den Pranger.

Während Südafrikas Nachbarn Botsuana und Namibia für die Mehrheit ihrer HIV-infizierten Bürger antiretrovirale Medikamente bereitstellten, hat Südafrika dies unter Mbeki versäumt. Ein Forscherteam der Universität Harvard hat nun die Folgen dieser Politik untersucht. Ausgehend von vorsichtigen Annahmen schätzen sie, dass die südafrikanische Regierung 365.000 vorzeitige Todesfälle verhindert hätte, wenn sie sowohl AIDS-Patienten als auch schwangeren Frauen, die Gefahr liefen, ihre Kinder anzustecken, die entsprechenden Medikamente gegeben hätte.

Diese Zahl ist ein enthüllender Hinweis auf die schwindelerregenden Kosten, die entstehen können, wenn die Wissenschaft abgelehnt oder ignoriert wird. Sie ist ungefähr vergleichbar mit den Menschenleben, die der Völkermord in Darfur gekostet hat, und erreicht fast die Hälfte der Verluste durch die Massaker der Tutsis in Ruanda 1994.