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Tragische Blindheit bei den Handelsgesprächen

LONDON: Die Doha-Runde globaler Freihandelsverhandlungen steht nach zehnjährigen Gesprächen am Rande des Zusammenbruchs. Dies wäre eine Tragödie, denn der Nutzen der bereits erzielten Verhandlungsergebnisse wäre beträchtlich und würde der Weltwirtschaft einen großen Schub verleihen. Ein Scheitern wäre daher ein schlimmes Versagen der politischen Führer in den bedeutenden Handelsländern sowohl in der entwickelten als auch in der sich entwickelnden Welt, das die Weltwirtschaft bis zu 700 Milliarden Dollar an zuständigen Einnahmen jährlich kosten könnte.

Brächte man die Verhandlungsrunde stattdessen zum Abschluss, würde die Welt zusätzlich zu diesem allgemeinen Nutzen bedeutende spezifische Fortschritte erleben, von denen die am wenigsten entwickelten Länder profitieren würden. Die Europäische Union etwa hat bereits zugestimmt, all diesen Ländern einen zoll- und quotenfreien Marktzugang für ihre Exporte zu gewähren. Zudem sollen die EU-Exportsubventionen für landwirtschaftliche Produkte ab 2013 abgeschafft werden.

Derartige Beispiele gibt es viele. Doch vermutlich wird, wenn die allgemeine Vereinbarung, welche die Runde abschließen würde, ausbleibt,  kein einziges davon umgesetzt werden. Denn bei globalen Handelsrunden gilt die Regel, dass keine Leistungen erbracht werden müssen, bis man sich über alles geeinigt hat.

Darüber hinaus ist ein Abschluss der Doha-Runde für die Welthandelsorganisation (WTO) von zentraler Bedeutung. Der brasilianische Botschafter bei der WTO, Roberto Azevedo, äußerte kürzlich, sein Land „lehne die Vorstellung ab, dass die Glaubwürdigkeit und Legitimität dieser Organisation in einer tödlichen Umarmung mit der Doha-Runde gefangen sind. Die WTO ist größer als die Runde und reicht über sie hinaus.“