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Europa am Abgrund

BERLIN – Die Zeiten sind ernst, sehr ernst sogar. Wer hätte jemals auch nur davon geträumt, dass David Cameron die Regierungen der Euro-Gruppe dazu auffordern würde, endlich all ihren Mut zusammenzunehmen und gemeinsam eine Fiskalunion (gemeinsames Budget, Steuerpolitik, gemeinsame Garantie für die Staatsschulden, etc.) und, da es anders nicht geht, auch eine politische Union zu schaffen. Nur so könne ein Zerfall des Euro aufgehalten werden.

Der konservative britische Premierminister! So geschehen vor wenigen Tagen! Und noch schlimmer daran ist, dass David Cameron völlig und uneingeschränkt Recht hat! Das europäische Haus steht in Flammen, und London fordert ein vernünftiges und entschlossenes Verhalten der Feuerwehr. Freilich hat er die Rechnung ohne die Feuerwehr (uns Deutschen) und unsere Feuerwehrhauptfrau Angela Merkel gemacht.

Europa, angeführt von Deutschland, löscht lieber weiter mit Kerosin statt mit Wasser und der Brand wird so mit der von Merkel erzwungenen Austeritätspolitik beschleunigt.  Genau deshalb hat sich die Finanzkrise in der Eurozone innerhalb von drei Jahren zu einer wirklichen Existenzkrise ausgewachsen. 

Und man mache sich keine Illusionen. Europa steht heute am Abgrund und wird in eben diesen in den kommenden Monaten hineinfallen, wenn jetzt nicht Deutschland und Frankreich gemeinsam das Steuer herum reißen und den Mut zu einer Fiskalunion und politischen Union der Eurogruppe aufbringen. Denn wenn der Euro zerfällt, wird auch die EU mit ihrem gemeinsamen Markt zerfallen – global der zweitgrößte Wirtschaftsraum - und eine Weltwirtschaftskrise auslösen, wie sie die heute lebenden Generationen noch nicht erlebt haben.