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Die Struktur institutioneller Reformen

FRANKFURT – Obwohl in Europa heutzutage viel davon geredet wird, gibt es keine Eurokrise. Einige Länder haben es stattdessen mit einer Staatsschuldenkrise und den Folgen unzulänglicher Wirtschaftsreformen zu tun. Die Herausforderungen sind nicht nur für den Euroraum charakteristisch. Die meisten Industrieländer auf der Welt stehen vor ähnlichen Problemen.

Alle Länder müssen ganz klare Schlüsse aus der aktuellen Krise ziehen. Im Euroraum dürfen sie nicht länger bestreiten, dass die Währungsunion die nationale Steuerhoheit einschränkt, sondern müssen sich stattdessen mit der wirtschaftlichen Realität abfinden und strengere Haushaltsregeln befolgen.

Als die globale Finanzkrise ausbrach, schützte der Euro Länder, die unter vergleichbaren Umständen in eine tiefe Währungskrise abgestürzt wären. Dieser Schutzschirm hat vielleicht zu gut funktioniert, da die schwächeren Länder nicht der Disziplinierung durch die Finanzmärkte ausgesetzt waren.

Trotz massiver Ungleichgewichte und gewaltiger Diskrepanzen im Hinblick auf das Niveau der privaten und staatlichen Schulden innerhalb des Euroraums verschwanden die Zinsdifferenzen auf Staatsanleihen im Vorfeld der Krise. Die Marktteilnehmer – darunter Rating-Agenturen – haben das Risiko entweder eklatant missverstanden oder die No-bailout-Klausel des Maastricht-Vertrags nie ernst genommen.