Was hält Europa auf?

PITTSBURGH – Bei seinem jüngsten Besuch in Griechenland erklärte der französische Präsident François Hollande Europas wirtschaftliche Talfahrt für beendet und riet französischen Unternehmen, in Griechenland zu investieren. Das war kein guter Rat. Die Produktionskosten in Frankreich sind hoch, aber in Griechenland sind sie noch höher. Trotz des beträchtlichen Rückgangs des realen BIP in Griechenland (sowie auch in Italien und Spanien) seit 2007, ist die Anpassung bei weitem noch nicht abgeschlossen.  

Tatsächlich fällt es schwer, irgendwo in Europa breite Zustimmung zu Hollandes Einschätzung zu finden. Vor der letzten Wahl in Italien zeigten sich auf den Finanzmärkten Anzeichen von Optimismus. Unterstützt wurde diese Stimmung durch die Politik der Europäischen Zentralbank, für die Staatsanleihen der Eurozonen-Mitglieder zu garantieren, die Bilanz der Bank auszuweiten und die Zinssätze zu senken. Anleiheinhaber profitieren von sinkenden Zinssätzen. Doch in den verschuldeten südlichen Ländern steigt die Arbeitslosigkeit weiter stark an und die Produktion hinkt hinter der Deutschlands und anderer nordeuropäischer Länder hinterher.

Der Hauptgrund für diesen Rückstand liegt nicht einfach nur in geringer Nachfrage oder hohen Schulden. Vielmehr besteht zwischen Deutschland und den hoch verschuldeten südlichen Ländern ein riesiger Unterschied hinsichtlich der Lohnstückkosten –  also der Reallöhne im Verhältnis zur Produktivität. Als die Krise begann, lagen die Produktionskosten in Griechenland um etwa 30 Prozent höher als in Deutschland. Daher exportierte Griechenland sehr wenig und importierte sehr viel. Die Produktionskosten in anderen schwer verschuldeten Ländern lagen um 20 bis 25 Prozent höher als in Deutschland.

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