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Die heimliche Bedrohung für den Welthandel

Bedrohungen für den Welthandel kommen in vielerlei Gestalt. Das Instrumentarium der üblichen Verdächtigen umfasst sowohl protektionistische Barrieren als auch militante Anti-Globalisierungs-Proteste wie sie etwa die Gespräche der „Milleniums-Runde“ der Welthandelsorganisation (WTO) vergangenes Jahr in Seattle scheitern ließen. Obwohl diese Proteste Schlagzeilen machen, hat eine neue und vielleicht noch heimtückischere Bedrohung des Welthandels während in den vergangenen Jahren klammheimlich Gestalt angenommen: der so genannte „offene Sektoralismus“ oder die Praktik, den Zugang zu ausländischen Märkten auf einer selektiven Basis zu verhandeln, von Industrie zu Industrie.

Dieses Verfahren bringt mit sich, dass Länder Zollsenkungen für manche Produktgruppen aushandeln, für andere aber nicht. Anders als es scheint, ist offener Sektoralismus nicht der erste Schritt zu umfassenderen Handelsvereinbarungen. Tatsächlich kann er die Verhandlung weiter reichender Vereinbarungen verhindern.

Sogar wenn sektorale Abkommen erfolgreich ausgehandelt werden, gefährden sie die Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit, denn sie schützen die am wenigsten wettbewerbsfähigen Industrien, weil jedes Land versucht, den Handel in wettbewerbsfähigen Bereichen zu öffnen. Kein Land möchte seine Industrie-Dinosaurier dem internationalen Wettbewerb aussetzen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Haltung sind jedoch pervers. Man stelle sich Amerika oder Europa vor, festgefahren in den 50er Jahren, die Wirtschaft abhängig von Kohle, Stahl und Textil, ohne Konkurrenz von billigeren Produzenten aus Asien und anderswo, und die Gefahr wird offensichtlich.

Wird der Handel nur für einige wenige, wirtschaftlich erfolgreiche Branchen liberalisiert, entsteht eine zweite Gefahr. Dann schwächt offener Sektoralismus eher die breite politische Unterstützung, die für umfassende globale Handelsabkommen erforderlich ist, die den meisten Unternehmen, Verbrauchern und Ländern zugute kommen.