Die Seuche im Schatten

Die 14. internationale Konferenz über AIDS in Barcelona rückte im letzten Monat die weltweite HIV-Epidemie wieder zurück ins Rampenlicht - und das zurecht. Die Vereinten Nationen (UNO) schätzt die Anzahl der an HIV/AIDS Erkrankten zur Zeit auf vierzig Millionen und nimmt an, dass sie in den kommenden Jahren noch steil ansteigen wird und dass fünfundzwanzig Millionen Kinder im Alter unter 15 Jahren bis zum Jahr 2010 wegen der Krankheit einen oder beide Elternteile verlieren werden. Die stetige Ausbreitung von HIV ist auch noch mit dem raschen Wiederaufleben eines viel älteren Mörders eng verbunden.

Tuberkulose (TBC) ist eine Krankheit, die über die Luft, also auf dem gleichen Weg wie die gemeine Grippe durch Husten und Niesen übertragen wird, auch wenn sie zu einem viel geringeren Grad ansteckend ist. Im Gegensatz zur Grippe können TBC-Bazillen in der Lunge Jahre lange Zeit überleben. Sie werden dort von einer schützenden Kapsel umgeben, die das menschliche Immunsystem bildet. Diese latent vorhandenen Bakterien werden aktiviert, wenn andere Faktoren den Körperschutz gegen die Infektion vermindern. Dies ist der Grund, weshalb ärmliche Lebensbedingungen, Unterernährung und Diabetes über die Jahrhunderte hinweg immer wieder das Auftreten von TBC begleitet haben.

Während der letzte zwanzig Jahre hat die Ausbreitung von HIV diese historischen Ursachen der TBC-Infektion zu einem beängstigenden Grad weltweit in den Schatten gestellt, bei 8.7 Millionen neuer Fälle pro Jahr und zwei Millionen Tote. Die weitaus größte Mehrheit der TBC-Toten entfällt auf die Entwicklungsländer und wird zum größten Teil durch HIV ausgelöst. Tatsächlich gehen über 25 % der vermeidbaren Todesfälle in den Entwicklungsländern auf TBC zurück. Weil die jungen und wirtschaftlich tätigen Altersgruppen am stärksten betroffen sind, ist die umfassende Wirkung der Krankheit sogar noch zerstörerischer. Sie verurteilt in den armen Ländern ganze Generationen zu drückender Verzweiflung.

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