Der wissenschaftliche Männerclub

Ich bin Mitglied der Berufungskommission einer medizinischen Fakultät. Über die Jahre hinweg, wurde ich mir eines Faktums bewusst, das ebenso irritierend wie unleugbar ist: als Kollektiv überwinden männliche Grundlagenforscher diese Kommission beinahe mühelos. Viele von ihnen arbeiten in derart spezialisierten Fachbereichen, dass sie auf der ganzen Welt nur zehn Kollegen haben, von denen die Hälfte ihre Mentoren oder ehemalige Kommilitonen sind. Das sind ihre ,,Peers", die bereitwillig Empfehlungsschreiben verfassen, in denen sie dem Bewerber,,nationale und internationale Anerkennung" in seinem Fachbereich bescheinigen. Im Gegensatz dazu führen Bewerbungen von Personen aus dem klinischen Bereich und von Frauen zu weit mehr Diskussionen.

Ich habe nichts gegen die Leichtigkeit mit der Grundlagenwissenschafter die Karriereleiter emporklimmen, schließlich habe ich selbst auch davon profitiert. Dennoch ist das System im höchsten Maße unfair. Bei der Berufung von Grundlagenforschern, die ihre Arbeiten in nationalen und internationalen Journalen veröffentlichen, sind wir auf das Urteil von außenstehenden Sachverständigen angewiesen. Im Gegensatz dazu ist es schwierig einzuschätzen, wie gut klinische Wissenschafter sind. Tatsächlich ringen wir - mehr oder weniger erfolgreich - schon um eine Definition, was ein ,,wissenschaftlich tätiger" Allgemeinmediziner sein soll, denn der Ruf eines Klinikers beruht auf lokalen Interaktionen, die oftmals schwer dokumentierbar sind.

Das Problem universitärer Wissenschafterinnen in der Grundlagenforschung ist weitaus komplexer. Ich vermute, darin spiegeln sich grundlegende Unterschiede wider, wie Frauen und Männer an die Wissenschaft als Mikrokosmos des Lebens herangehen. Meine männlichen Kollegen sind im Normalfall keine vor Testosteron strotzenden Muskelpakete, aber in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn sind zwei typisch männliche Verhaltensmuster erkennbar.

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