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Die Wurzeln der islamischen Rückständigkeit

Der Irak-Krieg ist vorbei. Aber der Kampf um eine strukturelle Veränderung der Volkswirtschaften im Nahen Osten - die einzige Hoffnung, zu verhindern, dass eine ganze Generation junger Arbeitsloser Araber und Iraner dem Fanatismus verfällt - hat gerade erst begonnen.

Bei diesem Kampf geht es um mehr als um Entwicklungsstrategien, es geht um die Wurzeln des Islam. ,,Das iranische Volk," so soll Ayatollah Khomeini gern gesagt haben, ,,hat die islamische Revolution nicht gemacht, damit die Wassermelonen billiger werden." Nach dieser Logik sind Kapitalismus und Islam unvereinbar. Aber sind sie das wirklich?

Die Geschichte kann uns hier einigen Aufschluss geben. Die industrielle Revolution begann in den englischen Midlands und in den belgischen Wäldern - Regionen mit Kohlevorkommen, Kanälen (auf welchen die Kohle transportiert werden konnte) und ausgebildeten Stahlarbeitern (die Dampfmaschinen bauen konnten, die mit Kohle angetrieben wurden). Kohle, Kanäle und Metallarbeiter waren die Grundlage für den Bau, die Errichtung und die Nutzung von automatischen Spinnmaschinen, leistungsstarken Webstühlen und Lokomotiven, die zusammen das Industriezeitalter begründeten.

Dampfkraft, Fabriken, Märkte und Industrie verbreiteten sich schnell über ganz Nordwest-Europa und seine Siedlerkolonien. Ende des 19. Jahrhunderts waren Turin, Wien, Prag, Wroclaw, Essen, Paris, Lille, Liege, Lyons und Barcelona in Kontinentaleuropa, ein Großteil Großbritanniens und der Vereinigten Staaten, Teile von Kanada und Irland sowie Melbourne, Buenos Aires und Johannesburg (und natürlich Tokio) Vorreiter der modernen Industrietechnologie.