0

Die chinesische Revolution des Internethandels

SHANGHAI – Wenn Sie an technologische Innovationszentren denken, fallen Ihnen wahrscheinlich als erstes Silicon Valley, Seattle und Seoul ein. Schließlich sind dort Amazon, Apple, Facebook, Google, Intel, Microsoft und Samsung beheimatet – Firmen, deren Innovationen das Geschäftsgebaren in anderen Sektoren, von Finanzdienstleistungen bis Telekommunikation und Medien, umkrempeln.  

Nun allerdings ermöglicht es der Aufstieg des so genannten „E-Tailings“ (also des verbraucherorientierten Internethandels) in China der Stadt Hangzhou, sich ebenfalls als Technologiezentrum zu positionieren – dort befindet sich nämlich der Firmensitz von Alibaba, dem größten Onlinehändler Chinas. Tatsächlich signalisierte Alibaba am 29. April seine entsprechenden Ambitionen durch den Kauf von 18 Prozent der Anteile an Sina Weibo, der chinesischen Version von Twitter. Und wie auch im Falle anderer Technologiezentren bestimmen die aus Hangzhou stammenden Innovationen die Entwicklung in verwandten Industriezweigen.

Mit einem geschätzten Umsatz von 210 Milliarden Dollar im letzten Jahr ist Chinas Online-Handelsmarkt der zweitgrößte der Welt (nach den Vereinigten Staaten). Seit 2003 verbuchte dieser Markt ein kumuliertes jährliches Wachstum von über 110 Prozent. Bis 2020 könnte der chinesische Online-Handelsmarkt ebenso groß sein wie die heutigen Märkte in den USA, Japan, Großbritannien, Deutschland und Frankreich zusammengenommen.

Trotz einer Breitbandpenetration von lediglich 30 Prozent war der Internethandel in China im Jahr 2012 für 5-6 Prozent der gesamten Einzelhandelsumsätze verantwortlich und lag daher gleichauf mit den USA. Und der Sektor ist bereits profitabel: die chinesischen Online-Händler verzeichnen Margen von 8-10 Prozent des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, womit dieser Wert etwas höher liegt als die durchschnittliche Marge für stationäre Einzelhändler.