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Eine (r)echte Revolution für Frankreich

Ist Frankreich dabei, die Mogelrevolution vom Mai 1968 durch eine vorgetäuschte Konterrevolution im Jahr 2007 zu ersetzen oder haben die Franzosen Nicolas Sarkozy mit einem Mandat für einen echten Wandel ausgestattet, um ihr Land zu modernisieren? Warum hat Sarkozy die französischen Präsidentenwahlen gewonnen und was sind die wahrscheinlichen Folgen seines Sieges für Frankreich, Europa und die Welt?

Obwohl manche unter Sarkozys Wählern vielleicht befürchteten, er repräsentiere im Hinblick auf seine Persönlichkeit „zu viel“, gewann er aber vor allem, weil noch viel mehr Wähler glaubten, Ségolène Royal repräsentiere in Bezug auf Seriosität und Würde einfach „zu wenig“ – ein Eindruck, der sich durch die einzige persönliche Konfrontation eher bestätigt als zerstreut hat. Trotz ihrer Energie und Entschlossenheit unterlag Royal nicht weil, sondern obwohl sie eine Frau ist.

Im Jahr 1968, nach zehn Jahren Charles de Gaulle und inmitten einer Zeit der Vollbeschäftigung und des starken Wachstums waren die Franzosen gelangweilt. Heute, nach 12 Jahren Jacques Chirac und 14 Jahren François Mitterrand, weist Frankreich ein niedrigeres Wachstum auf als der Großteil Europas, während Staatsschulden und Arbeitslosigkeit die Werte in den meisten anderen europäischen Ländern übertreffen. Das bereitet den Franzosen Kopfzerbrechen und sie sehen ihr Land reif für Reformen. Sarkozy verstand besser als jeder andere, dass den Franzosen 39 Jahre nach dem Mai 1968 der Sinn nach Arbeit und nicht nach Liebe steht.

Die meisten Wähler, die Sarkozy unterstützten, erwarten sich eine andere Art von Staat, der zwar in der Lage ist, ihnen physische Sicherheit vor Gewalt zu bieten, aber ihr Leben in wirtschaftlicher und steuerlicher Hinsicht nicht erschwert. Dieses Frankreich steht mit Begeisterung hinter Sarkozy. Andere wiederum sehen ihn als bittere, aber notwendige Medizin, die Frankreich braucht, um seine Leiden zu kurieren.