Die richtigen Prioritäten für die G8

Im Vorfeld des G8-Treffens in Schottland vom 6. bis 8. Juli hat der britische Premierminister Tony Blair die internationale Gemeinschaft aufgerufen, global die richtigen Prioritäten zu setzen, die, wie Blair unmissverständlich feststellt, Afrika und die globale Erwärmung zu sein hätten. Blair hat Recht mit seiner Forderung an uns, Prioritäten zu setzen, aber seine Auswahl ist möglicherweise falsch. Wir sollten zwar seine Aufforderung akzeptieren, aber unsere Prioritäten richtig setzen.

Führende Politiker unterstützen klare Prioritäten in den seltensten Fällen, sie möchten lieber den Anschein erwecken, als wären sie in der Lage, jedem alles zu geben. Sie müssen mit Bürokratien zusammenarbeiten, die eine natürliche Abneigung dagegen haben, ihre Bestrebungen einer Prioritätensetzung zu unterwerfen, weil man nicht weniger als die Nummer 1 auf dieser Liste sein will. Wenn wir Prioritäten setzen, sagen wir nicht nur, wo mehr getan werden sollte (das ist gut), sondern auch wo wir unsere Bestrebungen nicht weiter vertiefen sollen (das wird als zynisch betrachtet).

Über Prioritäten zu schweigen bedeutet aber nicht, dass sich die erforderliche Prioritätensetzung erübrigt. Nur die Wahlmöglichkeiten werden weniger klar, weniger demokratisch und weniger effizient. Sich einer Prioritätensetzung zu verweigern und sich nur mehr um die am meisten diskutierten Themen zu kümmern, ist falsch. Man stelle sich Ärzte in einem ständig überrannten Krankenhaus vor, die Patienten nicht nach dem Grad ihrer Verletzungen zur Behandlung einteilen und sich stattdessen den Patienten in der Reihenfolge ihrer Einlieferung zuwenden und jene vorziehen, deren Angehörige das lauteste Getöse veranstalten. Sich einer Prioritätensetzung zu verweigern ist ungerecht, verschwendet Ressourcen und kostet Menschenleben.

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