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Aufstand der twitternden Klassen Chinas

PEKING – Letzte Woche wurde Liu Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis 2010 für seinen langen und gewaltlosen Kampf für grundlegende Menschenrechte in China ausgezeichnet. Der Preis wird zu einem entscheidenden Moment in der chinesischen Politik vergeben und könnte gut zu ersten Schritt auf Chinas langem Marsch in Richtung größere Freiheit werden.

Doch wird Lius Nobelpreis in den Medien des chinesischen Festlands nur wenig diskutiert. Die staatliche Propagandaabteilung hat den größten Medien befohlen, die Nachricht nicht unter der allgemeinen Bevölkerung zu verbreiten und ihnen eine strenge Zensur auferlegt. Tatsächlich wurde Liu in den viel gesehenen nationalen 19-Uhr-Nachrichten des chinesischen Zentralsenders CCTV am Tag der Preisverleihung mit keinem Wort erwähnt.

Trotz der Nachrichtensperre ging es in Chinas Blogosphäre und Mikroblogs hoch her, nachdem Liu als Preisträger bekannt gegeben wurde. Zum Beispiel benutzten die Blogger auf der Mikroblog-Website von Sina Bilder, Euphemismen, Englisch oder traditionelle chinesische Schriftzeichen, um die Zensur zu umgehen.

Mikroblogging im Twitter-Stil ist in China extrem populär. Twitter.com wurde im letzten Jahr offiziell gesperrt, nach dem 20. Jahrestag des brutalen Vorgehens am Platz des Himmlischen Friedens und der Ausschreitungen in Xinjiang in jenem Sommer. Kurz darauf wurde sein berühmtester chinesischer Nachahmer, Fanfou.com, ebenfalls geschlossen, wodurch eine Million registrierte Nutzer heimatlos wurden. Doch obwohl in China nur über Proxy-Server auf Twitter zugegriffen werden kann, spielt es immer noch eine entscheidende Rolle im chinesischen Internet, weil es die Möglichkeit bietet, unterschiedliche Nachrichtenquellen und Sozialaktivisten miteinander zu verbinden.