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Die Roten und die Blauen

Die Ablösung Colin Powells als US-Außenminister durch Condoleezza Rice zeigt, dass Amerikas letzte Präsidentschaftswahl weiterhin starken Nachhall erzeugt. Doch ist es nicht nur für Amerikaner wichtig zu verstehen, was diese Wahl über Amerika aussagt, sondern auch für die Welt.

Die diesjährige Präsidentschaftswahl beweist, dass Amerika über eine gesunde Demokratie verfügt, aber auch, dass einiges besser sein könnte. Im Gegensatz zu der Wahl von 2000, bei der Präsident Bush die Stimmenmehrheit verfehlte und die Abstimmung im Wahlmännergremium nur knapp gewann, siegte er dieses Mal mit einem Vorsprung von 3,5 Millionen Stimmen. Obwohl einige Demokraten nach wie vor verbittert sind, gibt es wenige ernstzunehmende Zweifel an der Legitimität von Bushs Sieg.

Amerika bleibt gespalten in rote Staaten (Republikaner) und blaue Staaten (Demokraten). Wenn sich 100.000 Stimmen im roten Staat Ohio änderten, wäre John Kerry Präsident (wenn auch mit einer Minderheit der Wählerstimmen).

Das Wahlmännergremium wurde in Amerikas Verfassung aufgenommen, um kleine Staaten in einem föderalen System zu schützen, es bedeutet jetzt jedoch, dass sich der Wahlkampf vor allem auf ca. ein Dutzend umkämpfte Staaten konzentriert, in denen die öffentliche Meinung gespalten ist. Ein noch grundlegenderes Problem ist, dass es unschicklich erscheint, Präsidenten ohne die Mehrheit der Wählerstimmen zu wählen. Es ist also an der Zeit für eine ernsthafte Diskussion über eine Verfassungsänderung zur Abschaffung des Wahlmännergremiums.