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Der wahre Che Guevara

PARIS: Geschichte à la Hollywood ist häufig Unsinn, doch die Filmemacher sind gewöhnlich vernünftig genug, Mördern und Sadisten keinen Persilschein auszustellen. Steven Soderberghs neuer Film über Che Guevara jedoch tut dies – und mehr.

Den revolutionären Romantiker Che, so wie er in Soderberghs Film von Benecio del Toro dargestellt wird, hat es nie gegeben. Dieser Held der Linken mit Hippiefrisur und -bart – ein Bild mit Kultcharakter, das inzwischen auf T-Shirts und Kaffeebechern weltweit zu finden ist – ist ein Mythos, den sich die Propagandisten Fidel Castros ausgedacht haben: eine Art Kreuzung zwischen Don Quichote und Robin Hood.

Wie alle derartigen Lügengeschichten weist auch Castros Che-Guevara-Mythos eine oberflächliche Ähnlichkeit mit den historischen Fakten auf, doch die wahre Story ist deutlich finsterer. Irgendein Robin Hood hat vermutlich die Reichen brutal ausgeplündert und, um seine Spuren zu verwischen, einen Teil seiner Beute den Armen gegeben. Und im mittelalterlichen Spanien ritten vermutlich tatsächlich quichoteartige Ritter durch die Gegend und säuberten sie zwar nicht von Drachen, aber von den letzten verbleibenden Muslimen.

Dasselbe gilt für den Che der Legende. Kein gegen die Welt oder seine Eltern rebellierender Teenager scheint in der Lage, dem verführerischen Bild Che Guevaras zu widerstehen. Sich ein Che-Guevara-T-Shirt überzustreifen, ist der kürzeste und billigste Weg, um sich auf die scheinbar richtige Seite der Geschichte zu stellen.