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Die Öffentlichkeit und ihre Probleme

CHICAGO – Vor kurzem war ich in Europa, wo ich Ökonomen, Journalisten und Geschäftsleute traf, die über ihre Politiker gründlich frustriert waren. Warum, so fragen sie sich, können die Politiker den vor ihnen liegenden Abgrund nicht erkennen und sich zusammensetzen, um die Euro-Krise ein für allemal zu lösen?

Selbst wenn keine Einigkeit darüber besteht, wie diese Lösung aussehen könnte, stellt sich die Frage, warum man nicht einen Plan konzipiert, der über die wiederholt ergriffenen halbherzigen Maßnahmen hinausgeht. Nur aufgrund der mutigen Entscheidung der Europäischen Zentralbank, langfristig Kredite an Banken zu vergeben, kam es in letzter Zeit zu einer kurzen Atempause, so ihr Argument. Im Gegensatz dazu werden Politiker der Probleme Europas nicht gerecht, weil sie der Entwicklung ständig hinterher hinken. Warum ist es für sie so schwierig, Führerschaft zu übernehmen?  

Eine, allerdings nicht ernst zu nehmende Antwort lautet, dass die politischen Verantwortlichen den Ernst der Lage einfach nicht verstehen. Politiker in Spitzenpositionen müssen jedoch keine Wirtschaftsgenies sein, um den Rat zu verstehen, der ihnen gegeben wird und außerdem sind viele Politiker intelligent und auch gebildet.

In der zweiten Antwort – wonach Politiker aufgrund von Wahlzyklen einen kurzen Zeithorizont verfolgen – könnte ein Körnchen Wahrheit stecken. Dennoch ist dieses Argument unbefriedigend, weil die nachteiligen Folgen zu zaghafter Maßnahmen oftmals schon offenkundig werden, bevor Neuwahlen anstehen.