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Warum die Polemik gegenüber China problematisch ist

Der gegenwärtig auf China ausgeübte Druck zur Aufwertung des Yuan gegenüber dem Dollar ähnelt auf unheimliche Weise dem vor 30 Jahren auf Japan ausgeübten Druck zur Aufwertung des Yen. Die Polemik gegenüber Japan ging mit der Drohung von US-Handelssanktionen einher, falls Japan den Konkurrenzdruck auf die amerikanische Industrie nicht abmildere. Im Jahre 1995 hatte der überbewertete Yen ( endaka fukyo ) zu einer derartigen Depression der japanischen Wirtschaft geführt, dass die Amerikaner weich wurden und eine neue Politik des „starken Dollar“ ausriefen. Nun also sind die Chinesen an der Reihe, und das Ergebnis könnte genauso schlimm sein, wenn nicht schlimmer.

Im Jahr 2000 war Chinas bilateraler Handelsüberschuss so groß wie einst jener Japans; in 2004 war er zweimal so groß. Während der Druck auf Japan eine „freiwillige“ Drosselung der Exporte beinhaltete, die die US-Schwerindustrie – mit einer konzentrierten und politisch einflussreichen Lobby – bedrohten, geht es bei den chinesischen Exporten bisher überwiegend um Produkte aus der Leichtindustrie von niedrigem bis mittlerem technologischen Niveau. Das verbale Einprügeln auf China zielt daher primär auf eine Neubewertung des Yuan. Diese Forderung freilich ist ebenso unbegründet wie einst der Druck auf Japan zur Aufwertung des Yen.

Die Finanzpresse und viele einflussreiche Ökonomen argumentieren, dass es einer deutlichen Abwertung des Dollars bedürfe, um das Außendefizit Amerikas zu korrigieren. Aber das US-Leistungsbilanzdefizit – in 2004 und 2005 etwa 6% vom BIP – spiegelt primär eine neue Runde des Deficit Spending seitens der US-Zentralregierung und eine überraschend niedrige Sparquote der privaten Haushalte in den USA (möglicherweise aufgrund der Spekulationsblase bei den US-Privatimmobilien) wider.

Mehr noch: Die Arznei kann schlimmer sein als die Krankheit. Eine dauerhafte Aufwertung der Währung eines Kreditgebers gegenüber der dominanten internationalen Währung ist ein Rezept für eine Verlangsamung seines Wirtschaftswachstums, gefolgt von einer schließlichen Deflation. Japan musste dies in den 1990er Jahren feststellen – ohne dass es dabei zu einem offensichtlichen Rückgang seines relativ hohen Handelsüberschusses kam. Für ein Entwicklungsland mit rapidem Wirtschaftswachstum und ohne voll entwickeltes Finanzsystem ist die vom IMF zur Abschirmung der inländischen makroökonomischen Politik gegenüber der Ebbe und Flut internationaler Zahlungen vorgeschlagene Einführung flexibler Wechselkurse eine sogar noch fragwürdigere Strategie.