56

Der Preis der Ungleichheit

NEW YORK: Amerika betrachtet sich selbst gern als Land der unbegrenzten Möglichkeiten, und andere sehen es in einem ganz ähnlichen Licht. Doch obwohl wir uns alle an Beispiele erinnern können, in denen es Amerikaner allein ganz nach oben schafften – was wirklich zählt, ist die Statistik: In welchem Umfang sind die Lebenschancen eines Menschen vom Einkommen und der Bildung seiner Eltern abhängig?

Heutzutage zeigen diese Zahlen, dass der amerikanische Traum ein Mythos ist. Es herrscht in den USA heute weniger Chancengleichheit als in Europa – oder sogar, was das angeht, in jedem einzelnen hoch entwickelten Industrieland, für das entsprechende Zahlen vorliegen.

Dies ist einer der Gründe, warum Amerika das höchste Maß an Ungleichheit unter allen hoch entwickelten Ländern aufweist – und die Kluft zu den Übrigen wird immer größer. Während der „Erholung“ der Jahre 2009-2010 entfielen auf das eine Prozent der US-Amerikaner mit dem höchsten Einkommen 93% der Einkommenszuwächse. Andere Indikatoren für Ungleichheit – wie Vermögen, Gesundheit und Lebenserwartung – sind genauso schlecht oder sogar noch schlechter. Es gibt einen klaren Trend zur Konzentration von Einkommen und Vermögen an der Spitze der Gesellschaft bei gleichzeitiger Aushöhlung der Mitte und zunehmender Armut unten.

Es wäre nun eine Sache, wenn die hohen Einkommen derer an der Spitze das Ergebnis größerer Leistungen für die Gesellschaft wären, doch die Große Rezession zeigt das Gegenteil: Selbst Banker, die die Weltwirtschaft – und auch ihre eigenen Firmen – an den Rande des Ruins geführt hatten, erhielten überdurchschnittliche Boni.