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Das Dilemma des Sparers

PEKING – Die meisten internationalen Finanzkrisen der letzten 200 Jahre waren die Folge von Spannungen, die durch die Umleitung von Kapital aus Ländern mit hohen Ersparnissen in solche mit geringen Ersparnissen entstanden sind. Die aktuelle europäische Krise ist ein Beispiel dafür. Fast ein Jahrzehnt lang floss Kapital aus Ländern mit hohen Ersparnissen wie Deutschland in Länder mit geringen Ersparnissen wie Spanien. Der daraus resultierende Schuldenberg hat seine eigenen Einschränkungen geschaffen, und jetzt ist Europas Wirtschaft gezwungen, einen Ausgleich vorzunehmen.

Wenn dieser Ausgleich nur in Spanien und anderen Ländern mit geringen Ersparnissen stattfindet, wird die Folge, wie John Maynard Keynes vor 80 Jahren warnte, wesentlich höhere Arbeitslosigkeit sein. Ob die Arbeitslosigkeit auf Länder wie Spanien beschränkt bleibt oder schließlich auf solche wie Deutschland übergreift, hängt davon ab, ob Erstere den Euro beibehalten.

Obwohl die relativen Ersparnisse von Deutschland und Spanien kulturelle Stereotype zu bestätigen scheinen, haben die nationalen Sparquoten wenig mit kulturellen Neigungen zu tun. Stattdessen spiegeln sie größtenteils die Politik im In- und Ausland wider, die den Verbrauch der Privathaushalte bestimmt.

Die Gesamtverbrauchsrate eines Landes ist natürlich das Gegenstück zu seiner Sparquote. Abgesehen von der Demografie, die sich nur langsam verändert, erklären vor allem drei Faktoren die Unterschiede zwischen den nationalen Verbrauchsraten.