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Die Piraten des Hungers

NEW YORK – Die Zeit rennt Somalia davon. Drei Millionen Menschen – ein Drittel des Landes – sind vom Hungertod bedroht. Das Meer ist ihre Lebensader; über den Wasserweg werden Lebensmittel, medizinische Versorgung und andere Hilfsgüter transportiert. Und da liegt das Problem.

Schwer bewaffnete Gruppen von modernen Piraten in Schnellbooten terrorisieren Schiffe in Somalias Küstengewässern. Bislang haben sie in diesem Jahr über 50 Schiffe überfallen, Fracht gestohlen und Boote entführt – von privaten Jachten bis hin zu Öltankern – und dabei Lösegeld in Höhe von etwa $ 100 Millionen pro Jahr erpresst.

Erst letzte Woche wurde ein ukrainischer Frachter mit schweren Waffen, darunter Panzer, entführt. Ein griechischer Petrochemiefrachter wurde erobert und ein weiterer angegriffen, ebenso ein iranischer Öltanker. Die Piraten halten derzeit über ein Dutzend Schiffe in somalischen Häfen fest.

Schiffe mit Zehntausenden Tonnen Mais, Sorghumhirse, Erbsen und Öl vom Welternährungsprogramm (World Food Programme = WFP) der Vereinten Nationen und anderen internationalen Hilfsorganisationen müssen durch diese gefährlichen Gewässer navigieren. Es ist unbedingt erforderlich, Somalias Versorgungsweg über das Meer offen zu halten. 90 % der humanitären Hilfe, die das WFP liefert, werden über ihn befördert. Das WFP leistet wiederum nahezu 90 % der Hilfsleistungen, die viele Somalis ernähren.