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Das Gespenst des Outsourcing

NEW YORK – Das Outsourcing von Dienstleistungen hat in den letzten Jahren zu viel Panik und Protektionismus geführt, insbesondere in den Vereinigten Staaten seit der Präsidentenwahl 2004. Damals erfuhr der demokratische Kandidat, Senator John Kerry, dass die Analyse digitaler Röntgenaufnahmen vom Massachusetts General Hospital in Boston an indische Radiologen vergeben worden waren, und er verglich Unternehmen, die Outsourcing betrieben, mit Benedict Arnolds, dem berüchtigtsten Verräter in der Geschichte der USA.

Kerrys Fehltritt sorgte im gesamten Westen für Verunsicherung. Wenn Politiker, die heute Zweifel über die Liberalisierung des Handels mit Entwicklungsländern haben, wieder für die Idee des freien Marktes gewonnen werden sollen, müssen die Mythen, die zur Verdammung des Outsourcing geführt haben, widerlegt werden.

Mythos 1: Outsourcing ist wie ein Tsunami. Auch wenn selbst ein kluger Ökonom wie das ehemalige Mitglied der Federal Reserve, Alan Blinder, dieser Meinung war, ist sie doch aus “natürlichen” und menschengemachten Gründen nicht sehr plausibel. Hier nur zwei dieser Gründe:

Zunächst einmal ist es einfach nicht möglich, alles auszulagern. Dass ich jemanden in Bangalore anrufen kann, der mir bei der Lösung eines Computerproblems hilft, setzt voraus, dass ich seine Anweisungen verstehen kann. Ich habe dies mit einem Dell-Computer versucht und nach einigen Versuchen aufgegeben. Ich war so verzweifelt, dass ich Michael Dell, den ich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos traf, um einen Ersatz bat.