Die Anderen und Wir: Ist Multikulturalismus an sich schon relativistisch?

,,Die Anderen" zu verstehen, wird die größte gesellschaftliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts sein. Die Tage sind vorbei, in denen die "Abendländer" ihre Erfahrungen und ihre Kultur für die Norm und andere Kulturen für kaum mehr als Vorformen der Entwicklung des Westens halten konnten. Heutzutage empfinden die meisten Menschen im Westen die arrogante Voreingenommenheit im Innersten jener alten Überzeugung.

Traurig ist nur, daß diese neu entdeckte Bescheidenheit, so notwendig sie auch zum Verständnis anderer Kulturen und Traditionen sein mag, sich in Relativismus zu verkehren droht und sogar die Idee der Wahrhaftigkeit in menschlichen Angelegenheiten in Frage stellt. Denn es scheint unmöglich zu sein, Objektivität und die Anerkennung grundsätzlicher, konzeptioneller Unterschiede zwischen den Kulturen mit einander in Einklang zu bringen. Kulturelle Offenheit birgt daher das Risiko, die Gültigkeit unserer Werte abzumindern.

Um uns mit diesem Dilemma auseinanderzusetzen, müssen wir verstehen, welchen Stellenwert die Kultur im Leben des Menschen einnimmt. Kultur, Selbsteinschätzung und Sprache vermitteln dasjenige, was wir im Hinblick auf die menschliche Natur grundsätzlich für allgemeingültig halten. Im Laufe der menschlichen Geschichte haben diese grundlegenden Möglichkeiten immer und überall unendlich viele, außergewöhnliche Neuerungen aufzuweisen.

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