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Die Organkrise

LONDON – Organtransplantation ist eine der beeindruckendsten Errungenschaften der modernen Medizin.Sie hat Millionen von Patienten, die an zuvor tödlichem Organversagen leiden, neue Hoffnung gegeben.Vielen hat sie das Leben verlängert und verbessert.

Auch viele Mediziner und Industriezweige haben von ihr profitiert, da sie sie als neue Quelle für Stolz, Finanzierung und Gewinn nutzen können.Auch diejenigen, die für das Gesundheitssystem zahlen und um die Eindämmung der Kosten ringen, zählen zu den Nutznießern.So haben sich Nierentransplantationen beispielsweise als weniger kostspielig erwiesen als die Dialyse.

Doch seit ihren Anfängen hat die Transplantationsmedizin mit einer sich schnell vergrößernden Lücke zu kämpfen, die zwischen der Versorgung mit Organen und dem Bedarf an ihnen besteht.Für die meisten Beteiligten führten die oft bitteren Folgen zu einer Reihe von Lösungen, die alle auf einer allgemeinen Strategie beruhen:Wenn wir zu wenige Organe haben, müssen wir mehr davon beschaffen.

Für diese Strategie bezahlen wir jedoch einen hohen Preis.Einerseits hat sie so manche außergewöhnlich korrupte Praktik ins Leben gerufen, zum Beispiel den Organhandel, den Transplantationstourismus und viele andere hässliche Phänomene, die mit einem Schwarzmarkt für Organe verbunden sind.Andererseits hat sie die Transplantationsethik stark strapaziert.