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Der Öl-Schock, den es niemals gab

Der Ölpreis sollte nach dem 11. September eigentlich aufgrund der politischen Instabilität im Nahen Osten in den Himmel geschossen sein. Statt dessen ist er um 30 %, auf weniger als 20 US-Dollar pro Fass, auf das niedrigste Preisniveau der vergangenen beiden Jahre abgesackt.

Für den Preisverfall gibt es drei Ursachen. Erstens hat die Rezession gewisse Wirtschaftssektoren mit hohem Ölverbrauch wie die Luftfahrt hart getroffen. Dadurch sank die Nachfrage nach Öl. Zweitens hat die amerikanische Politik (bis jetzt jedenfalls) eine offene Konfrontation mit den Ländern des Persischen Golfs vermieden und Afghanistan ist, Gott sei Dank, kein Ölproduzent. Drittens scheint Russland auf dem Weg, die postsowjetische Krise zu überwinden, entschlossen zu sein, seine eigene Ölförderung weiter auszubauen - trotz seiner jüngsten Beruhigungspille für die OPEC.

Aber dieser vorübergehende Einbruch der Ölpreise sollte nicht dazu führen, dass wir die längerfristige politische Problematik aus den Augen verlieren, die Tatsache nämlich, dass zur Zeit der größere Teil der Ölförderung sich auf Länder beschränkt, die von Autokraten regiert werden, welche die Einkünfte aus dem Öl dazu nutzen, ihre gönnerhaften Unterdrückungsregime aufrecht zu erhalten, den extravaganten Konsum ihrer Eliten zu finanzieren und eine erschreckende Menge Waffen zu erwerben. Die Existenz der enormen Einkünfte aus dem Ölgeschäft und ihre ungleiche Verteilung sind eine kontinuierliche Quelle für Instabilität im Inneren und Aggressivität nach außen, wie sich an der jüngsten Geschichte des Irak zeigt.

Ist es also unser Schicksal, dass die Knappheit an Öl und seine Konzentration im Nahen Osten eine ständige Quelle globaler Unsicherheit bleiben wird? Nicht notwendigerweise. In Wirklichkeit gibt es weltweit einen Überfluss an Öl und einen Großteil davon kann man in einem der stabilsten Länder unseres Planeten finden: in Kanada.