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Die Obama-Doktrin und Afrika

MADRID: Präsident Barack Obamas viel diskutierte Kairoer Rede spiegelt nicht nur den Niedergang von George W. Bushs ideologischem Bemühen wider, die muslimische Welt durch eine demokratische Revolution neu zu gestalten; sie markiert auch das Ende des Strebens des amerikanischen Liberalismus, die Welt nach eigenem Bilde umzuformen.

Stattdessen lässt sich Obamas Regierung von einem relativistischen politischen Realismus leiten, der Respekt gegenüber kulturellen und religiösen Unterschieden voraussetzt. Obamas Außenministerin, Hillary Clinton, hat diese Tendenz bei ihrem ersten Besuch in China unterstrichen, wo ihre unmissverständliche Botschaft war, dass Ordnung und Stabilität Vorrang vor Freiheit und Menschenrechten haben.

Was aber ist mit Afrika, dem vergessenen Kontinent, der in Obamas hektischem Terminkalender in auffallender Weise fehlte? Dort bestimmt das Zusammenspiel einer widerstandsfähigen lokalen politischen Kultur und strategischer Zwänge die Grenzen, die der Fähigkeit des Westens bei der Durchsetzung seiner Werte gesetzt sind.

Zwei Wochen vor Obamas Kairoer Rede besuchte eine Delegation des UN-Sicherheitsrates vier afrikanische Länder, um der Besorgnis des Rates über das Wiederaufleben verfassungswidriger Veränderungen auf dem Kontinent Ausdruck zu verleihen. Afrika gibt in der Tat ein düsteres Bild ab; viele Länder zerfallen infolge von Autokratie und Stagnation praktisch zu Staub und Asche.