0

Die neue internationale Wirtschaftsunordnung

NEWPORT BEACH – Vor unseren Augen nimmt eine neue Wirtschaftsordnung Gestalt an und dazu gehört die beschleunigte Annäherung zwischen den alten Mächten des Westens und den neuen bedeutenden Akteuren unter den Schwellenländern. Allerdings hat die Dynamik dieser Annäherung wenig mit dem zu tun, was Generation von Ökonomen vor Augen hatten, als sie auf die Unzulänglichkeit der alten Ordnung hinwiesen. Und die Folgen dieser Dynamik könnten ebenso beunruhigend sein.

Jahrzehntelang lamentierten viele über das Ausmaß der Dominanz des Westens im globalen Wirtschaftssystem. Von der Führung multilateraler Organisationen bis hin zur Konzeption von Finanzdienstleistungen wurde die globale Infrastruktur als Begünstigung westlicher Interessen betrachtet. Obwohl von Reformen viel die Rede war, wandten sich westliche Länder wiederholt gegen ernsthafte diesbezügliche Bemühungen, die zu einer durchaus sinnvollen Aushöhlung ihrer Ansprüche geführt hätten.

Bei den wenigen Gelegenheiten, da dieser Widerstand offenbar gebrochen werden konnte, bestand das Resultat aus schrittweisen und zaghaften Veränderungen. Folglich verloren viele Schwellenökonomien, vor allem in Zeiten großer Not, das Vertrauen in die „Gemeinschaftsversicherung“, die ihnen das globale System angeblich zur Verfügung gestellt hatte.

Beschleunigt wurde dieser Sinneswandel durch die Finanzkrisen in Asien, Osteuropa und Lateinamerika in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren sowie durch die in diesen Regionen vielfach als unzulänglich und schlecht konzipiert wahrgenommenen Reaktionen des Westens. Aufgrund des erschütterten Vertrauens in bilaterale Hilfe und multilaterale Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds, verlegten sich die Schwellenökonomien – unter Führung der asiatischen Schwellenländer – auf eine nachhaltige Entwicklung in Richtung größerer finanzieller Unabhängigkeit.